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Wind of Change 🚴🏻🇫🇷🌬️

Wind of Change 🔆

I follow the Moskva
Down to Gorky Park
Listening to the wind of change
An August summer night
Soldiers passing by
Listening to the wind of change

Wie ein grosser Fischschwarm gleitet mein Peloton die kurvigen Straßen der Drôme Provecal entlang. Hochkonzentriert, den Lenker fest im Griff trete ich in Pedale. Der Mistral weht in Sturm Böen über unseren Köpfen. Gefährliche Seitenwinde, ich kämpfe, nutze die ganze Breite der Straße. Fühle mich wie ein alter Kahn auf Hoher See, die Wellen bestimmen mein Rythmus. Nur nicht abreißen lassen, der Kalte Wind frisst sich in meine Glieder, jetzt kommt er direkt von Vorne, mach mich klein, sehr klein auf meinem Merida Reacto. Das Rennen ist eröffnet, La Corima ist gestartet und ich bin Mitten drin, im Zentrum des Orkan.

La Corima, das Rennen, jedes Jahr Ende März in Montélimar ist der erste Höhepunkt der Radbande, genannt: die #strombergbuben. An meiner Seite Michel (The Legend), Thomas, Jugendleiter der Stuttgardia und Marco, (Porthos) uns noch gut in Erinnerung vom letzten Jahr, dort hat er unseren Rookie Wilhelm über die Berge gezogen. Ein unvergessenes Wochenende steht uns bevor. Die 4 Räder auf dem Fahrradträger verstaut, im Kofferraum hat Thomas, seine schnelle Rennmaschine versteckt, er ist für jedes Terrain gerüstet. Mit Marco wird er sich auch an der 100 km langen Gravel Tour beteiligen, eine neue Herausforderung im Programm der Organisatoren der Kultveranstaltung „La Corima.“ Über dieses Wochenende möchte ich euch gerne berichten.

Vieles nehmen wir für  selbstverständlich, vieles ist verfügbar, wir haben alles. Uns geht es gut. Wir haben Reisefreiheit, Meinungsfreiheit. Eine ganze Generation hat dafür gekämpft. Und doch ist der Mensch unzufrieden. Eine neue Generation weiss nicht, was es bedeutet, nicht Frei zu sein. Es gab eine Zeit, die ist noch nicht lange her, die jeder von uns erlebt hat, da gab es noch unerfüllte Träume. Ost und West war geteilt, eine Mauer mit Stacheldraht und Selbstschutz Anlage trennte Deutschland. Der junge Thomas diente in der Nationalen Volksarmee (NVA). Einmal Hamburg sehen, einmal unterm Eifelturm, Sehnsuchtsorte, einer ganzen Generation. Eines Morgens kam er zum Dienst. „Die Grenze ist offen,“ rief ein Feldwebel. „Ihr spinnt doch alle,“ murmelte er ungläubig in sich hinein. Wenige Wochen später machte Thomas sich mit Freundin in seinem alten Lada ohne Geld auf den Weg die neue Welt, die neue Freiheit zu erobern. Seine Träume zu leben. Kurz vor Paris ging das Benzin zu neige. Mit einem Liter Spiritus vom Camping Kocher fing der Lada wieder an zu laufen und unter grossem Applaus wildfremder Menschen fuhr er unterm Eifelturm. Was war das für eine schöne Zeit.

Alle, die von Freiheit träumen
Sollen's feiern nicht versäumen
Sollen tanzen auch auf Gräbern
Freiheit, Freiheit
Ist das Einzige was zählt

Heute ist uns der Applaus von Mama Christa und Anthrosoph Hubert sicher. Sie begrüßen uns freudig, die provencalische Sonne lacht, Fritzie der Familienhund wedelt, die Pinien wehen sanft im Wind. Bienvenue á Valréas 🇫🇷.Nach einem Petit Café gehen wir Vier auf eine kleine Willkommen’s Runde. Die Beine lockern, die klare Provencalische Luft einatmen, die letzten Sonnenstrahlen genießen. Herrlich.

Ich war noch nie auf dem Mont Ventoux, murmelt Marco am Abendessen und schlürft weiter die leckeren Metzger Maultaschen. Ich muss da hoch. Ja, aber wir haben März, der ist Schneebedeckt und Mistral kündigt sich an, erwidere ich Kopfschüttelnd. Von Sault, die Ostseite hoch ist sicherlich möglich, ergänzt Thomas. OK, dann entlang im Tal der Toulourenc und die Nordseite nach Malaucène herunter. Wird sportlich, aber jeder muss Mal den Berg der Winde bezwingen, auch wenn der Pass gesperrt ist und der Gipfel Schneebedeckt.

Tal de Toulourenc

Wir sind gut drauf, nach Baguette, Croissants und Petit Café und freuen uns auf die Tour zum Giganten, zum Mont Ventoux. Die Reifen auf 8 bar, die Trinkflaschen gefüllt, rollen wir entlang kleiner Straßen in das das Tal der Toulourenc, die ersten kleineren Cols ist ein kleiner Vorgeschmack was noch auf uns wartet. Die Ausblicke erfreuen unser Herz, der Blick zum Gipfel Kreuz zeigt uns den Weg. In Sault beginnt der Anstieg, jeder fährt sein eigenes Tempo, jeder ist jetzt auf sich allein gestellt. Schnell erreichen wir Chalet Renard, huschen unter der  Passsperre durch und haben noch die berühmten 6 km in der offenen Steinwüste des Mont Ventoux zu bewältigen. Der Berg der Winde wird seinen Namen gerecht. Mit Böen von Spitzengeschwindigkeiten über 80 Stundenkilometern ist der Wind der Gegner an diesem Tag im März. Mit jeder Kurbel Umdrehung kommen wir dem Gipfel näher, er ist schon zum greifen nah. Noch ein, zwei Kehren, am Denkmal von Simpson 🕊️vorbei (Put me Back on my Bike) holen wir unsere letzten Kraftreserven heraus, ein letzter Schluck aus der Trinkflasche. 1909 Meter hohe Gigant ist bezwungen. Von der Bucket Liste gestrichen! Ein schnelles Foto und mit dem Wissen, die Nordseite ist unpassierbar, der Schnee noch Meter hoch, geht die rasante Abfahrt die Südseite nach Bedoin im atemberaubenden Tempo herunter 🚀.

In Valréas warten schon unsere Freunde vom Radsportclub VCV bei Käse und Wein.  Michel (The Legend) hat die Betreuung übernommen. Ausführlich wird unsere  Tour erzählt, die ein oder andere Anekdote hinzugefügt, eigene Erfahrungen und Erlebnisse jedes einzelnen Radrennfahrer bereichert den geselligen Abend. Mit dem Versprechen im Mai 2026 mit der Radbande nach Valréas zum Jumelage Austausch zwischen den befreundeten Städten Sachsenheim und Valréas zu kommen geht ein fröhliches Radsport Treffen zu Ende.

Gravel

100 Kilometer Gravel. Das Wort kommt aus dem englischen und heißt übersetzt: Schotter. Eine neue Sportart, abseits befahrener Straßen besonders im Winter sehr beliebt. Thomas kommt aus dem Cyclo Sport und hat das nötige Talent und Können. Er hat sich auch schon für die kommende WM qualifiziert. Marco auch ein leidenschaftlicher Gravelfahrer ist mit ihm an seiner Seite und so gehen sie auf unbekanntes Terrain, über Stock und Stein, über kleine Hügel, tiefe Schluchten entlang der Rhône. Ich bin derweil mit Michel in die kulinarischen Köstlichkeiten Frankreichs eingetaucht, schlenderten gemütlich  entlang feiner Marktstände und machten auf unsere weiße einen feinen Espresso Stop.

Am Renntag, der Mistral hat nochmal an Geschwindigkeit zugenommen. Die Organisatoren sind kurz davor das Rennen abzusagen. Ich hol mir meine Startnummer, 1477 so meine Nummer, rolle zu meiner vorgesehenen Startposition, hunderte Rennradfahrer stehen schon vor mir in  ihrem Startblock, können es nicht erwarten, Nervosität liegt in der Luft. Thomas verabschiedet sich, wünscht mir Glück, ist im grossen Rennen über 150 km gemeldet und startet 15 Minuten früher. Mein Rennen nennt sich Gobik, hat eine Distanz von 120 km und ist nach einem französischen Trikot Hersteller benannt. Nach mir Startet  Sesam, ein Rennen über 92 km. Der Stadionsprecher begrüßt Lorant Jalabert, der berühmte Rennradfahrer aus den Neunziger Jahren, Gewinner Mailand – San Remo, Vuelta und unzählige Tour Etappen. Jalabert warnt vor den Böen, besonders von der Seite mit 90 Stundenkilometern können sie selbst erfahrene Rennradfahrer gefährlich werden!

Ich muss eine gute Gruppe erwischen, nur im Peloton kann ich dieses Rennen überleben. Die ersten 50 km sind geprägt von starken Seitenwinde, teilweise direkt von Vorne. Starke Jungs übernehmen die Führung, müssen im Mittel 100 Watt mehr treten. Ich hab Mühe mich zu behaupten, am Hinterrad zu bleiben. Erst in den Bergen sind wir geschützt, ich muss dem Tempo der ersten 2 Stunden Tribut zollen, oder war die Tour zum Mont Ventoux nicht die beste Vorbereitung, nicht die beste Idee? Nach einer kleinen Verpflegungspause nehme ich gestärkt mein Tempo wieder auf, von hinten schließen sich starke Jungs auf und im Sinne des belgischen Kreisels rasen wir jetzt teilweise mit Rückenwind dem Ziel entgegen.Ein höllisches Tempo wird angeschlagen, auf gerader Strecke zeigt mein Rad Computer annähernd 60 Km/h an. Ungläubiges staunen. Auf der Zielgeraden in Montélimar bereite ich mich auf den Zielsprint vor. Wie einst ein Greipel, wie ein Zabel lege ich einen dicken Gang ein und Stürme aus dem Windschatten dem Ziel entgegen. Gagné🏁🇫🇷

Verpflegung Station

Im Salle de Fête kommen alle Helfer, alle Polizisten, Streckenposten, alle Rennradfahrer zusammen. Ich genieße die Atmosphäre, ich genieße mein Menü und wie soll es anderes sein in Frankreich 🇫🇷gibt es auch ein Gläschen Rouge 🍷 Santé

Am Abend kommen wir alle zusammen kochen ein zartes französisches Landhuhn, trinken ein Glas 2020 amitie. von Domaine Maximilian 🍷reden über Gott und die Welt. 4 Tage mit guten Freunden, mit guten Radsportlern, mit guten Gastgebern, in einem Land wo die Zitrone blühen oder das Leuchten des Lavendels uns blendet. Wir haben unsere Träume gelebt. Merci

Bleib mir treu, bleibt gesund

Der Coach (Basti)

Au revoir

Die Zweite Luft

Musik an der Strecke 🎙️🎶

Das Mädchen muss an die frische Luft 💋

Das Mädchen

muss an die frische Luft

Liebe Mama,lieber Hubert, liebe Festtagsgäste, wir freuen uns sehr das ihr hier Heute beim Eberhard’s am Wasser zusammen gekommen seid. Wir feiern Deinen 80 Geburtstag, liebe Mama.

Eines Nachts bin ich aufgewacht und habe deine Festagsrede im Kopf. Dein Leben hat den Stoff für einen Hollywood Film! Wie „Out of Africa“, wie „Falcon Crest“, oder wie „Einer flog übers Kuckucksnest“. Diese Rede muss dir würdig sein, sie muss die Menschen zum lachen bringen, sie muss uns zu tränen rühren.

Ich bin dein Sohn, dein Ältester, dein Schönster wie du mich früher nanntest. Ich muss heute tief gehen, wie ein guter Schriftsteller, tief in meine Seele blicken, ins Eingemachte, wie man so schön sagt. Du warst schon im Mutterleib ein Glück für die Familie. Geboren 1945, kurz vor dem Ende des Krieges, Berlin zerbombt, die Russen vor den Toren, verhinderst du die Vergewaltigung deiner Mutter Gerda, Behütet aufgewachsen ohne Vater nur von Frauen umgeben, aus dir soll was werden, du solltest die Beste sein, die Beste werden. Abitur und Studium der Soziologie an der Freien Universität zu Berlin. Weniger als Regierungspräsidentin ist für dich nicht vorgesehen. Die Liebe kreuzt deinen Weg, ein Bauer aus einem kleinen Kaff im Spessart. Eine romantische Liebeserklärung: Du hast die schönsten Kuhaugen, flüstert ein gewisser junger „Hans im Glück“ dir ins Ohr. Eine unbeschwerte Studiums Zeit beginnt. Eine Stadtrundfahrt, der erste Kuss unterm Fernsehturm, eine aufregende Studenten Zeit, gemeinsame Reisen, mit einer Ente, bis hinein in die junge Türkei. Finanziert durch Wochenenden am Berliner Flughafen Tempelhof. Dein Verkäufer Talent blitzte damals schon auf. Bilder auf Leinwand in Öl ( Röhrender Hirsch) für die Amerikanischen Offiziere brachte eine ordentliche Urlaubskasse.

Du kamst gut an, bei Menschen im Spessart, sie mochten Dich, du wolltest gefallen ein Leben lang. Du weißt wie man auf Menschen zugeht, wie man sie für sich begeistert. Neid und Missgunst in der eigenen Familie war ein hartes Los. Der blanke ausgestreckte Popo. „Ihr könnt mich alle am Arsche lecken“ geht in die Familien Historie ein. Du bist belesen, du kennst das Zitat aus Götz von Berlichingen, du warst immer mein erster Telefon Joker bei „Wer wird Millionär“. Holler – Nikolaus, die erste Frau die einen Doppelnamen trug, deine Kaffeekränzchen mit Freundinnen aus Rottenberg waren legendär. Das erste Schulfest, die erste Tombola für einen guten Zweck. So was kannte man bis dahin nicht, in dem 500 Seelen Dorf. Mit List und Schliche hast du Tombola Preise eingesammelt. „Ha, das Grüne Tal spendiert auch ein Sonntagsessen.“ „Ja,“ hast du Maria vom Restaurant Löwen angeflunkert. „Dann spendiere ich auch ein Essen für 4 Personen.“ Geschafft, wie so vieles im Leben. 5 Jahre Afrika, ich sehe dich Heute noch auf der Barre, zittrig , fiebrig, mit Malaria aus dem Haus getragen. Du stirbst. So schnell stirbt man nicht, würdest du jetzt antworten. Urvertrauen das hast du Kindern uns mitgegeben. Der lange Schulweg, den ich alleine laufen durfte, der kleine blonde Max unter fremdem Männern auf einer Dhou (Segelschiff), die junge Henni, allein mit ihren Pferden. Das tat uns gut, bis zum heutigen Tag profitieren wir von deinem Vertrauen in uns.

Der Boppengraben, ein Paradies für uns Kinder, offenes liberales Haus mit vielen schönen Freundschaften, die bis Heute anhalten. Freunde fürs Leben. Heidi und Bernd, ihr könnt stolz sein, es ist nicht jedem vergönnt solch gute Freunde zu haben ♥️

Auf zu neuen Ufern! Du wurdest Gemeinderätin, du gründest die Hösbacher Buchhandlung. Von dir habe ich gelernt das man nicht alles Wissen muss, manchmal reicht der Klappentext. Deine Mitarbeiter schwärmen Heute noch. Legendäre Zitate gehen einher: „Gestorben wird immer“ oder „nu aba ran an die Buletten“, da kam dein Berliner Dialekt hervor.

Valréas ( La Refuge) war bestimmt nicht von Anfang an dein Traum, aber es war Papa wichtig. Und du hast es getragen. Wieder mit deinen Sprachkenntnissen, wieder mit deinem Talent auf Menschen zuzugehen. Papa war glücklich mit seinem Whisky in der Hand unter dem sternenklaren Provencalischen Nachthimmel an seinem Schwimmteich. Und du hast einen großen Anteil daran. Danke. Jetzt schreibst du mit Hubert eine weitere Geschichte, eine Liebesgeschichte. Das ist schön. Ich werde euch von Ferne begleiten und gegebenfalls nach dem Rechten schauen. Dein Sohn.

Bleibt mir treu.Bleibt gesund

Der Coach (Basti)

292 Staeffele

292 Staeffele

Es war das Jahr 1994. Ein Samstag morgen im Oktober, meine erste Weinlese am Rottenberger Gräfenstein stand mir bevor. Ich war aufgeregt. Alle Buwe sind gekommen, alle Fußball Kumpels vom TSV Rottenberg waren früh morgens um 9:00 Uhr mit Gummistiefel und Scheren bestens vorbereitet. Der steile Weinberg war prazzelt voll mit Müller-Thurgau Trauben. Motiviert mit viel Spass lief die Ernte, naja dem ein oder anderen schmerzte der Rücken und die Beine wurden schwer wie Blei. Der Hänger voll bis Oberkante, knappe 60 Oechsle konnte ich vermelden. Immerhin ein Qualitatswein geerntet! Der Rübenzucker billig, so kam der ein oder andere Sack hinzu und vermehrte meine Weinmenge. (Chaptalisation). Am nächsten Tag war der Spieltag in der Kreisklasse. Müde Beine, Muskelkater von der ungewohnten Arbeit. Wir spielten grotten schlecht. Der Trainer stink sauer. Der Schuldige schnell gefunden. Meine Müller Thurgau Trauben. Mit einem feucht fröhlichen Helferfest konnte ich die Gemüter besänftigen. Trainer Herbert, kannst du dich noch erinnern?

Im Sinne des Belgischen Kreisels fahr ich mit den #stromberbuben mit Tempo an der Neckarschleife entlang. Wir passieren Mundelsheim, Hessigheim und steuern auf Besigheim zu. Mit großem Kettenblatt trete ich hinter dem alten Haudegen Charlie.(60 geworden 🎂und Opa von Oskar und Ivo, die Radsport Zukunft ist gesichert 🚴🏻💪🏻) Der Windschatten schützt mich. Mit einer kleinen Ellbogenbewegung signalisiert er mir das ich in wenigen Sekunden  im Wind fahren muss. Er schärt aus, der Wind blässt mir voll ins Gesicht. Mit  aller Kraft versuch ich das Tempo für die nächsten 200 Meter zu halten. Meine Oberschenkel brennen. Ich fahr ins Laktat. Beisse Coach, Beisse. Ich zucke mit meinem rechten Ellbogen, steure mit einer kleinen Bewegung meine Maschine nach links und  lasse mich  fallen. Benni, Thomas, Marc, Felix und Jannik rauschen an mir vorbei. Jetzt, den Anschluss nicht verlieren. In den Wiegetritt suche ich verzweifelt das Hinterrad vom Charlie, dem alten Haudegen zu erhaschen. Ja, geschafft, ich mach mich klein auf meinem Merida Reacto und nutze die Erholung wieder im Qualitätswindschatten. Meine Beine lockern. Ich schnaufe durch. Ich schaue links, der liebliche Neckar, ich schaue rechts, die Terrassenlagen vom Wurmberg. Ich denke an Wein, an Trollinger, an Lemberger und an einen Satz in der Bietigheimer Zeitung vom jungen Winzer Felix: „Wenn ich keine Hilfe bekomme Hacke ich die Reben raus!“

Belgischer Kreisel 🫣

Die Abkehr von den Steillagen zeigt sich in den Schrannen selbst. Viele sind verbuscht oder liegen brach. Der Auslöser für die Aktion, so die Bürgermeisterin, war dann ein Wengerter, der damit gedroht habe, er werde die Reben umhacken, falls er keine Hilfe finde.

Jörg Palitzsch, Bietigheimer Zeitung

Ich möchte Euch mitnehmen, mein Jahr 2024 als Winzer. Ja, mit einem Handschlag war unser Freundschaftsprojekt besiegelt. @Mission.Grand.Cru. Wir machen Wein. Wir retten die Steillage Kleiningersheimer Schlossberg. 292 Kleine Stäffele (Treppen) muss man erklimmen. 3 Rebsorten (Lemberger, Trollinger & Acolon) sind in den Schrannen vor mehr als 30 Jahren gepflanzt worden. Der Rebschnitt war unsere erste gemeinsame Tat. 💪

Unsere erster Arbeitseinsatz ✂️

Nach dem Rebschnitt stand unser Familien Urlaub in den Österreichischen Bergen an. Wir waren wieder am Reinthaler See. Nachzulesen im Blogbeitrag: Der Bergbauernhof

Reinthaler 🎿

La Corima, die Radsport Saison startet in Montélimar.🏁Donnerstag Mittag ging es auf die Autobahn A8 mit 2 coolen Jungs von den #strombergbuben und frische Metzger Maultaschen im Gepäck. Nachzulesen unter: Wilhelm

3 Musketiere 🤺

Wieder einen „eigenen Weinberg“, wieder das gleiche Gefühl, die gleiche Anspannung, die gleiche Verantwortung. Warme Tage im April, der Austrieb früh. Zu Früh? Die Nächte kühl, zu kühl? Frostgefahr! Aber die Schrannen, die Jahrzehnte alten Stäffele speicherten die Sonnenwärme und schützen so die Reben. Trotzdem war die Nacht vom 23. auf den 24. April bibbernd kalt. Bis zu 60 % sind die Reben in Württemberg erfroren, aber nicht bei uns in der Steillage. Die Rebsorten Acolon, Trollinger und Lemberger haben die kalte Nacht überlebt.

Schlossberg

Im Wonne Monat Mai führte unser Familien Urlaub in das Entre deux Mers. Zwischen den zwei Flüssen Garonne und Dordogne. Die Begeisterung für diese grüne Hügellandschaft halt noch immer nach. In dem Blogbeitrag mit dem Titel „Bordeaux“ habe ich unsere schönsten Tage im Jahr festgehalten.

Bordeaux 🍷
Olympia 🔥

Das leichte hauchen mit zittriger Stimme in das Micro: „Céline Dion“ vom französischen Kommentator machte mir eine Gänsehaut am ganzen Körper. Die Olympischen Spiele in Paris lösten bei mir eine noch tiefere Bewunderung für Frankreich aus. Ich war beseelt. Wenige Wochen vorher konnten wir unsere Französischen Freunde aus Valréas begrüßen. Ich war sehr stolz auf „meine“ #strombergbuben. Die 4 Tage von Sachsenheim habe ich in einem Blogbeitrag festgehalten. Gerne zum nachlesen: Jumelage

Tief bewegt: Liberté, Égalité, Fraternité 🇨🇵

Und was macht unser Weinberg? Der Sommer ließ auf sich warten, viele Regenfälle, Überschwemmungen und Hagel setzen unseren Trollinger Reben schwer zu. Mit der Hacke in der Hand kontrollieren wir das Unkraut und Felix kämpfte gegen den Mehltau. Oft hörte man früh am Morgen die Rotorblätter des Hubschrauber über Kleiningersheim fliegen. Der August heiss, zu heiss?

Der August: zu heiss☀️
Hubschrauber über Kleiningersheim 🚁

Mein sportlicher Höhepunkt im Jahr 2024 war der Drei Länder Giro in Nauders, Tirol. Der Stelvio, das Stilfser Joch 2757 über NN, der höchste Gebiergspass Italiens, meine größte Herausforderung als Radsportler. Jannik von den #strombergbuben gab mir den nötigen Windschatten, die nötige Unterstützung am Berg. Nachzulesen im Blogbeitrag: Girodays🏔️🚴🏻‍♂️🏁

Drei Länder Giro

Ein Anruf von Felix löste Aufregung bei den Schlossgeistern aus. „Wir müssen den Acolon eine Woche früher holen als geplant, die Kirschessigfliege bedroht unsere Ernte, rief Felix uns zu. Gesagt, getan. Sonntag den 8.September trafen wir uns pünktlich um 8:30 Uhr am Neckar Ufer. Viele Helfende Hände wurden gebraucht, viele Freunde sind gekommen. Mischa, Christian, Mela, Miri, Max, Sven, Dari, Jonas begrüßte ich freudig. Ein sonniger Morgen, genau wie vor 30 Jahren. In weiter Ferne hörte ich Felix mit seinem Trecker. Mit seinem Freund Jonathan brachte er Butten, Eimer und Scheren. Lese 2024 konnte beginnen!

Der Acolon im Keller, es warteten noch die Rebsorten Trollinger und Lemberger in der Steillage. Ja, der Trollinger war unser Sorgenkind. Die wichtigste Rebsorte Württembergs. Als Trollinger mit Lemberger (TL) wurde sie zum Brot – und Butterwein des täglichen Genuss, zum Begleiter vieler schwäbischen Leckereien. Gesetzt auf jeder Restaurantkarte. Die starken Regenfälle, die heißen Tage, die starke Sonneneinstrahlung haben ihm zugesetzt. Peronospora an den Weinblätter, später Oidium Befall an Beeren, zusätzliche Stilfäule verhindern einen schönen Reifeverlauf. Viele faulige, aufgeplatzte Trauben musste ich rausschneiden, es tat weh. Hat die Rebsorte noch eine Zukunft? Bei uns in der Steillage nicht! Das war seine letztes Jahr. Ein Rosé mit 68 Oechsle haben wir noch geerntet. Mehr gab’s nicht. Nicht das ihr mich falsch versteht, der Trollinger, in Südtirol Vernatsch genannt, hat seine Berechtigung, seine Zukunft, aber eben nicht bei uns in der Steillage Kleiningersheimer Schlossberg. Dagegen erfreuten wir uns an reifen Lemberger Trauben. Das wird gross.🍷

Reife Trauben zu ernten ist das eine, daraus guten Wein zu machen das andere. Zwei Fässer mussten her. Ein Anruf beim Weingut Herzog von Württemberg. „Klar unterstützen wir Euch Nachwuchswinzer, ihr Steillagen Retter,“ rief Gutsleiter Joachim Fischer uns zu. Kommt vorbei, ich suche euch gute Barrique’s aus. Gesagt getan. Mit einem VW Busschen fuhren wir beim Schloß Monrepos vor. Einen kleinen Winzer Crashkurs, einen Blick in den Keller, eine anregende Diskussion auf Augenhöhe mit Kellermeister Fischer über die Zukunft des Trollinger in Württemberg wurde uns geboten. Mit zwei wunderbaren Barrique’s im Gepäck machten wir uns, mit einem Lächeln auf den Lippen, auf den Weg nach Kleiningersheim. Und mit der Gewissheit jetzt schon mit den großen VDP Weinen mithalten zu können 😉🍷

Wir sind die Schlossgeister, wir sind Freunde, wir retten die Steillage, wir machen einen Wein, wir machen einen Grand Cru. Eine Jahundert alte Kulturlandschaft ist bedroht. Die schwere Arbeit in den Schrannen lohnt sich nicht mehr. 292 Staeffele sind zu bewältigen, eine schweißtreibende Arbeit. Lemberger, Acolon und Trollinger sind zu pflegen und zu hegen. Naturnah mit Hacke und Schere bewirtschaften wir die Steillage. Nur aus den besten Trauben, ausgebaut in schwäbischer Eiche, entsteht unser Rotwein.

Die Schlossgeister, Kleiningersheim

Es wurde ruhig im November. Die Blätter vielen von den Bäumen, die erste zaghaften Schneeflocken wirbelten umher. Ich pustete durch und freute mich auf drei erholsame Tage in Straßburg mit Mama Christa, Hubert, Miri und natürlich mit Hütehundmix Chablis aus den Karpaten. Nachzulesen im Blogbeitrag: Straßburg

Les Haras

Seid ihr auch so neugierig wie ich? Was ist aus unseren Lemberger, Acolon und Trollinger Trauben geworden? Immer am 3. Donnerstag im November wird der Primeur Wein vorgestellt. Das schon seid Jahrzehnten. In den Bars und Kneipen in Paris ein großes Happening, ein großes Fest. Leider ist dieser Brauch ein Stück weit verloren gegangen. Schade. Felix zapfte eine Kostprobe für uns aus den Fässern und wir trafen uns in der Weinbar Agora am Fräuleinsbrunnen. Und was soll ich Euch sagen? Die Weine haben geschmeckt! Klar, sie brauchen noch Zeit, aber die Tendenz geht in die richtige Richtung.

Rubinrot. Ein Hauch von Reduktion in der Nase. Dann öffnet er sich. Cassis-Heidelbeer-Joghurt, Vanillepudding, saftige Frucht, jugendlich. Unkomplizierter Wein. Die Säure ist sehr präsent, verleiht Frische und Animation. Alles hat Zug. Gut gemacht.

So, meine kurze Beurteilung vom 2024 Lemberger Kleiningersheimer Schlossberg. Fast schon ein Grand Cru.😉 Santé
Experten Gespräch

Es gibt viel zu schnüffeln, es gibt viel zu entdecken. Hier eine hingeworfene Serviette, dort eine halbe Bratwurst, unterm Tannenbaum ein leerer Pizzakarton, ein weggeworfener Döner. Die Mülltonnen quillen über. Ein Schlachtfeld. Chablis ist in seinem Glück, ich werde von ihm an der Leine herumgescheucht. Der letzte Abend, der Sternlesemark von Bietigheim schließt seine Buden. Die Glocken der Stadtkirche schlagen 10. Leise rieselt der Schnee. Chris ruft mir aus dem Kiesel Glühweinstand zu: „Coach, noch einen letzten Glühwein mit Schuss?“ „Oh gerne, mit Amaretto.“ Die Tasse heiß, weihnachtliche Gewürze mit einem Hauch von Vanille und Marzipan in der Nase, schön süß, tut gut. Danke Chris. „Coach, wo feierst du Silvester,“ fragt mich Chris. „Am Stuttgarter Flughafen, im Mövenpick, dort darf nicht geböllert werden und die Fenster haben Schallschutz“, entgegne ich schnell. „Du weißt, wenn Chablis glücklich ist, bin ich auch glücklich.“Chris schmunzelt! „Frohe Weihnachten, Coach, ich schließe die Bude, ich mach das Licht aus!“

Das Jahr neigt sich dem Ende. Der Weihnachtsbaum geschmückt.🎄 Eine friedvolle Zeit, eine Zeit des füreinander und miteinander. Eine Zeit für Freunde und Familie. Eine Zeit mit vielen Wünschen im Gepäck, eine Zeit mit vielen Erwartungen. Ich bin dankbar, 2024 war mir ein Fest. Hoch über den Dächern von Stuttgart feiern wir „unsere“ Silvesterparty. Dort lassen wir es krachen, dort verabschieden wir das Alte Jahr, begrüßen das Neue. Dort denke ich an die vielen lieben Menschen die mein Weg kreuzten und freue mich wieder auf spannende Abenteuer im Jahr der Schlange 🐍. Und ihr wisst: Der letzte macht das Licht aus. Bleibt gesund, bleibt mir treu. Besinnliche, vor allem friedvolle Weihnachtstage. 🎄 Ein gutes Neues Jahr 2025🎉🪅🧨

Euer Coach (Basti)🙋🏻

Zugabe

Ein Dankeschön an die Buwe 🫂
Legenden🏁3 mal 50🎂
1 Mal 50🎂danke Rod

*1993 habe ich den Weinberg von Wolfgang Jung gekauft, ein Freund meines Vaters und auch habe ich seine Weinernte von 1993 im Fass gekauft🍷

Sebastian Holler
🍷🏁

Pipapils

Pipapils

Liebe Biggi, lieber Mischa, ein freudiger Tag, ein Abend im Sand mit Euch allen die Rente zu feiern, vielen Dank Mischa für die Einladung. Danke das wir dabei sein dürfen. Und hier kommt dein Wunsch, lieber Pipapils.

Dein Wunsch

Ich, beim Getränkemarkt Kiesel an der Kasse. Mit einem voll gepackten Einkaufswagen fährt Mischa heran. „Ich soll ne Rede halten? Wirklich, du wünschst Dir eine Rede zu deinem Fest! Ja, halt was über den Wein…Nur über den Wein oder allgemein, auch was über Dich ? Ja, ein Schwank kann auch dabei sein. OK, ich mach mir Gedanken.“

der Vater weiß alles…

Ich schwenke einen Lemberger Weissherbst Spätlese von Konvent aus Dürrenzimmern im Glas, Mischa’s Festwein. Weissherbst, der Rosé Württemberg’s. 1963 wurde er zum ersten Mal in die Flasche gefüllt, das Geburtsjahr vom Mischa. Das Interessiert doch niemanden!, sagt Miri. Aber Mischa kenne ich erst seid einigen Monaten, was soll ich sagen? Wen kann ich noch schnell befragen: den Vater, Mutter, Biggi, der Schulfreund, wer weiss mehr als ich? Einiges hat mir Pipapils, sein Spitznamen aus Jugend Tagen, an Abenden mit Rotwein am Kaminfeuer persönlich aus seinem Leben erzählt. Am Ende schön betrunken und Miri meinte nur am nächsten Morgen, am nächsten Tag : „hast schon alles wieder vergessen, ist ja super,du bist ein held“….. Ich glaube er hatte die ein oder andere Lebenskrise, ich glaube, er dachte er wird nicht alt, er stirbt jung. Darum geniesst er jeden Tag, das spürt man, cooler Typ, meint Miri. Er ist auch so begeisterungsfähig, er packt mit an. In der Steillage konnte ich ihn gar nicht mehr bremsen. Mit Feuer und Flamme ist er bei unserem Freundschaftsprojekt MISSION.GRAND.CRU dabei. Neulich habe ich ihm den Gin „Illusionist“ empfohlen, der seine Farbe verändert von Lila zu zart Rosa…das glaubst du nicht, wie ein kleines Kind auf Entdeckungsreise, beim mixen ist er schier ausgeflippt „von Lila zu zart Rosa“ OK. Er ist aus unserer Generation, liberal aufgewachsen, ein Demokrat, ein Anthroprosoph, ein Gutmensch! Nein, einer der die Freiheit genießt, liebt, “ leben und leben lassen,“ ein „easy Rider“, für ihn gibt es keine Grenzen.

Easy Rider 🏍️

Nach Italien, den Motorrad Helm runter, die Motorrad Jacke ausgezogen, das Hemd aufgeknöpft, die Nase in den Wind. Das ist sein Leben. Französisch kann er auch!, sagt Miri! Was kann er nicht? Die Kindheit hat er in Belgien verbracht und dann ins Schwabenländle, echt hart…meinte Miri suffisant. Gut das wir ihn kennengelernt haben. Ja, wir sind einer der späten Freunde in seinem Leben. Aber für neue Freunde ist man nie zu alt, Ja, hast Recht, aber es wird schwierig im Leben. Was wird schwierig?, bohrt Miri nach. Sich einlassen, unvoreingenommen, auf Menschen zu gehen, das wird schwierig, erwidere ich. Der Mischa kann das, ja er hat sich im Herzen ein Stück Kindheit bewahrt. Ja, Miri, das ist ein schöner Satz. ein schöner Schlusssatz.

Man sieht nur mit dem Herzen 💓 gut..

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist unsichtbar für die Augen.

Antoine de Saint-Exupéry (1900-44)

So will ich auch Mal in Rente gehen….

Bleibt gesund, bleibt mir treu.

Der Coach (Basti)

Verlängerung

Wilhelm

Wilhelm

aus Malaysia

Kuala Lumpur, hohe Luftfeuchtigkeit, Wasserdampf legt sich über die Straßenoberfläche, der Schweiß läuft mir über Stirn und Nacken. Mit meinem Merida Reacto bin ich schon früh unterwegs, ich schlängele mich durch den dichten Straßenverkehr, ignoriere das Hupkonzert, fahre die Ellenbogen aus, ein Motorrad fährt dicht an mich heran, ich sehe im Augenwinkel den Beifahrer, er reißt mein Handy aus der Rückentasche, mit einem Tritt schleudert er mich in den Straßengraben, er gibt mir den Rest.

Ich erwache aus meinem Alptraum 🚴🌞🏁

Ich erwache, was für ein Alptraum, tiefes Atmen von William Teow, genannt Wilhelm aus Malaysia ist zu hören. Ich bin wieder bei Mama Christa in der Provence. Mit meinen Jungs von den #strombergbuben bewohnen wir das Apartment „Le Cigales“. Am Abend davor hat mir William Schauergeschichten über die unsicheren Straßenverhältnisse in Malaysia erzählt. Wo Raub an der Tagesordnung steht.

Die grosse Hungersnot in den 1960 vertrieb die Großeltern aus China, sie flüchteten nach Malaysia, so ist William in Penang aufgewachsen, war fleißig, sicherte sich ein Stipendium und studierte in Esslingen Fahrzeugtechnik. Er blieb nach dem Studium im Ländle. Fahrzeug Zulieferer Valeo in Bietigheim-Bissingen kann stolz auf einen guten zuverlässigen Mitarbeiter sein. So stand er Mal an einem Sonntag am Treffpunkt der Radbande im Stromberg und zeigte was in ihm steckt. Klar, er ist ein Rookie, aber mit einem großen Willen, mit einem starken Herzen. Er ist mit dabei, er ist in der Provence im Trainingslager, er wird der erste Malaye sein, der das Rennen „La Corima“ bestreitet. 150 km/2100 Höhenmeter über die Berge der Drôme Provençal. Ich berichte, seid gespannt.

Big bottle Party #strombergbuben🚴🚴🚴🏁

Frisches Baguette, warme Croissant, Lavendel Honig, verschiedene Marmeladen, Kaffee, Tee, salzige Butter, der Frühstückstisch in der Provence ist gedeckt. Das fünf Minuten Ei nicht vergessen. Die Morgensonne erfüllt den Raum, wir sind ausgelassen, wir sind glücklich. Aus dem Fenster entdecke ich im Garten den Mimosen Baum noch in voller Blüte. Welch eine Pracht. „Wo wollt ihr Heute hinfahren,“fragt Mama Christa in die Runde. Hoch zum Mont Ventoux, antwortet Marco ganz selbstbewusst. „Der ist noch gesperrt, es hat noch viel geregnet, so liegt dort oben eine dicke Schneeschicht, unpassierbar,“ antwortet Bernd, der Handymann des Hauses. „Hab‘ ne tolle Runde von Bruno, dem Kassier vom VCV Valréas,“ erzähle ich. „Geht nach Vaison La Romaine über kleinste Straßen.“ Zustimmung meiner #strombergbuben. Ich bin der Capitano, sie vertrauen mir.

Destination: Provence 🌞

Die Reifen auf 8 bar aufgepumpt, die Trinkflaschen gefüllt, die Banane in der Rückentasche. Provence wir kommen. Wir rollen aus Valréas, an Domaine Grands Devers vorbei, an der Schneckenfarm 🐌, (LES ESCARGOTS DE L’ENCLAVE) der erste kleine Col wartet. Kette rechts, Marco hat Druck auf der Pedale, Wilhelm versucht das Hinterrad zu halten, sie sind „on fire“, die Provence verleiht Flügel. Ich schalte runter und Atme die klare Provençalische Luft ein und genieße die Blicke ins Tal. In Vaison auf dem Marktplatz ein Espresso Stop. Herrlich. Richtung Nyons verpassen wir die richtige Route, jetzt ist Gravel angesagt über kleine Weinbergsstraßen. Kein Problem, auch das können wir. Ein letztes „battle“ hoch über Nyons, die heimliche Olivenhauptstadt auf der Chemin de Anglais. Wilhelm hat nichts mehr im Tank. Valréas, nicht mehr weit. Leckere Metzger Maultaschen frisch aus der Heimat warten und spornen uns an in die Pedale zu treten. Im Windschatten ziehen wir unseren Rookie nach Hause. Einer für alle, alle für Einen.

Der nächste Tag, ein weiterer sonniger Tag in der Provence. 🌞 In Montélimar haben wir uns für das Rennen „La Corima“ eingeschrieben und unsere Trikot Nummer entgegen genommen. Ich habe einen schicken neuen Radhelm auf dem Ausstellungsgelände erstanden, danach haben wir die Rennräder vom Auto geholt die Reifen auf 8 bar gepumpt, Wasser in den Trinkflasche gefüllt. Nous sommes prêt. Die Tour führte über die Rhône, hoch ins Zentralmassiv, anspruchsvoll, besonders vor dem morgigen Rennen. Aber wir wollen alles mitnehmen, alles genießen. In Serpentinen erreichen wir den Col de Fontenelle, eine Hochebene mit grünen Wiesen, grasende Kühe und Freilaufende Pferde. Über eine steile Abfahrt erreichen wir Privas. Von dort geht eine ehemalige Bahnlinie ein neuer Radweg nach Chomérac. Marco, genannt Porthos, hat noch die Kraft im Tank und in seinem Windschatten erreichen wir schnell das Rhône Ufer. Der wasserreichste Fluss Frankreich ’s. Flussabwärts rollen wir am Atomkraftwerk Cruas-Meysse, an den 4 großen Kühltürme vorbei in Richtung Montélimar. Queren den Fluss auf einer „passarelle himalayenne“, eine unter Denkmalschutz stehende Hängebrücke von 1858. Ein spannendes, aber auch schwankendes Finale. Gute Tour, harte Vorbereitung für das Rennen. Wie sagt der Präsident Charlie: „Nur die Harten kommen in den Garten!“

Racemodus🚴🏁

Der Renntag: „La Corima“, das erste Rennen der Saison. Hier startet die Saison! 2300 Teilnehmer und 1 Malaye. William Teow ist mit der Radbande im Stromberg am Start. Man merkt ihm seine Nervosität an, die letzten Ratschläge, die letzten aufmunternden Worte, ein letzter Klaps auf die Schulter. Locker rollen wir im Pulk aus der Stadt, nur nicht sich in ein Unfall verwickeln lassen, sind einige Amateure am Start. Porthos hat sich zur Aufgabe gemacht seinen Freund zu begleiten, ihm die Sicherheit zu geben das Rennen zu meistern. Ich bin im Rennmodus, eine nach dem anderen wird von mir kassiert, ich bin „on fire“. Oben am Col de Vesc an der Verpflegungsstation werde ich auf meine #strombergbuben warten, so mein Versprechen. Ich bin gut unterwegs, habe gute Beine, ab und zu Zeit auf einen Plausch, ich genieße das Race. Nach dem Col de Vesc erreiche ich die Verpflegung, hole mir einen Brownie, ein Schluck Cola, sowie ein Becher Kaffee. Zucker und Koffein, ein Willkommene Kombi. Die Minuten vergehen, hoffentlich ist ihnen nichts passiert, denke ich. Dann sehe ich die beiden einrollen. Porthos strahlend locker, Wilhelm fertig mit schmerz verzerrten Gesicht, er ist am Ende. Oh je, es sind noch 2 Col’s zu fahren, das Rennen hat erst begonnen. „Du musst nicht,“sag ich zu ihm,“fahr mit mir die kleine Runde zu Ende! Nein, ich fahr weiter,“sagt er mir auf wackligen Beinen und stopft sich einen weiteren Brownie rein.“Ich bin an seiner Seite,“ ruft Porthos mir zu, „ich bring ihn ins Ziel.“

In der Verfolgung🚴🚀

Ich schwinge mich auf mein Merida Reacto und gehe auf die Verfolgung, genug Zeit verplempert. Es wird flach, es wird schnell. Eine größere Gruppe schließt auf, ich erhole mich bei 45 km/h im Windschatten. Im Wind fahren starke Jungs, bereiten sich schon auf das Finale vor. Ich bin konzentriert, schaue auf meine Vordeleute, vor mir ein Mann mit gut austrenierten Waden, Halleluja, denk, ich, schau hoch, er trägt die Rote Rückennummer 1, es ist JALABERT! Laurent Jalabert, Weltmeister, Gewinner von Mailand – San Remo, Paris – Nizza, Vuelta Sieger, ein französischer Volksheld, der Beste in den 1990er Jahren. Und ich, ein ehemaliger Amateur Fussballer, an seinem Hinterrad. Wie cool ist das denn! Es wird hügeliger, es bleibt schnell, ich bleib dran. Laurent Jalabert ist 56 Jahre alt, immer noch Druck auf der Pedale, immer noch in “ pleine forme“. Kann ich ihm auf der Zielgeraden im Sprint besiegen? Gut, er ist ein ehemaliger Profi, ein Star, aber auch 4 Jahre älter… Er ist der Schirmherr der diesjährigen Tour „La Corima“, so als würde ich mit Lothar Matthäus in einer Mannschaft spielen. Den gräscht man auch nicht so einfach weg. Respekt vor dem Volksheld, Respekt vor dem geleisteten. Auf der Zielgeraden den nötigen Abstand, den nötigen Respekt. Schön war’s. Ja, und wo bleibt Wilhelm der Malaye?

Bleibt gesund, bleibt mir treu

Der Coach (Basti)

Laurent Jalabert 🚴💪
Komme wieder,keine Frage🚴2025🏁
Lavendel Blau 😍

Der Bierkutscher

Der Bierkutscher

100 Rennradfahrer stehen am Start. Ein kurzes Nicken, ein zaghaftes Hi, Hello und Servus. Viele US Boys, einige Briten, ein paar Jungs aus Norwegen und aus Dänemark. Vor mir reiht sich ein Italiener ein, an meiner Seite ein Pole, hinter mir entdecke ich einen Kanadier auf seinem Tron bike. Die Welt ist am Start. Alles gute Jungs, jeder hoch motiviert, jeder hat das Zeug das Rennen zu gewinnen. Noch 2 Minuten, versuche meinen Puls hochzutreiben, bin im Tunnel.9,8,7,6 Sekunden werden von der Uhr runter gezählt, ich beschleunigen auf 400 Watt, will den Start nicht verpassen, will mich gleich in die Führungsgruppe festsetzen. Es gelingt mir, eine 30 Mann starke Gruppe löst sich vom Peloton. Ich nutze den Windschatten kann mich bei 150 Watt erholen. In den kurzen Steigungen gehe ich in den Wiegetritt um nicht an Geschwindigkeit zu verlieren. Ich reiß ein Powergel auf, nehm ein Schluck aus der Trinkflasche, spüle die Energie in meinen Körper. Ein Epic Race, ein virtuelles Rennen, nur das Summen meines wahoo Smarttrainers und surren meiner Kettenblätter ist zu hören. Ich bin in meinem Keller, der Puls hoch, der Schweiß tropft, die Lunge brennt. Attacken alle Minute, gehe jede Attacke mit, die Gruppe ist stark. Die letzten 10 km geht es den berüchtigten Anstieg hoch nach Alpe d‘ Zwift, dort in den 20 Kehren wird das Rennen entschieden.

Epic Race in der Spitzengruppe, aktuell Platz 8

Die #strombergbuben sind versammelt, in Zweierreihen pedalieren wir in den Stromberg, unser Revier, unsere Heimat. Die Stimmung ist gut, haben uns lange nicht gesehen, haben uns viel zu erzählen. Es geht um technische Details an unseren Rennmaschinen, es geht um unsere Rennziele im Jahr 2024. „Hab‘ gemeldet für La Corima, das Rennen in Montélimar am 17. März,“ ruft Marco in die Runde. Oh, dort bläst der kalte Mistral, erinnert sich Charlie, der alte Haudegen! Das wird geil, und klopfe William, unseren Rookie freudig auf die Schultern. Marc, um zu zeigen das er der Beste ist, gibt jetzt einmal richtig Gas, drückt eine verdammt schwere Übersetzung, setze mich an die vierte Position, suche den Windschatten von Marco. Charlie übernimmt die Führung, erhöht nochmal die Pace, wir fliegen förmlich. Ein Laster überholt uns, es ist ein Kiesel Laster, am Steuer Timo, den kenn ich. Der beste Mann vom Getränkemarkt Kiesel, geh in den Wiegetritt, rase an den Jungs vorbei und sauge mich ran. Timo sieht mich im Rückspiegel, traut seinen Augen nicht. Jetzt nicht bremsen, denke ich. Im sog rase ich auf 70 Stunden Kilometer, was für ein Tempo!

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident
Yeah, I'm unstoppable today

Im Kaffee Kuchenglück kommen wir alle gemeinsam wieder zusammen genießen unseren obligatorischen Espresso. Ich bestelle mir noch einen leckeren Schokoladenkuchen, mit einem Schlag Oberst. „Das war gefährlich Capitano“,ruft Marc mir zu. Klar, vorbildlich war das nicht, hätte ich Timo den Fahrer vom Getränke Laster nicht gekannt, wäre ich das Risiko nicht eingegangen, erkläre ich. Jungs, hab mich für den Ötztaler beworben, erzähle ich um das Thema zu wechseln. Wenn ich einen Startplatz erhalte brauche ich Eure Unterstützung.“200 Km, 5500 Höhenmeter, wenn du Pech hast, schneit und hagelt es in den Bergen, alles schon erlebt,“berichtet Charlie süffisanz. Die #strombergbuben sind dabei, motiviert Jannik mich und der Drei Länder Giro ist unser Aufwärmprogramm….

Bewerbung ist raus

„Hej Basti, warst du nicht hinter meinem Laster mit deinem Rennrad“, ruft Timo am Montag morgen über den Getränkemarkt Vorplatz. „Ja, war schnell unterwegs mit meinen #strombergbuben!“, verdammt schnell!! Gut das ich ein Herz für Radfahrer habe, zwinkerte mir Timo zu. Der Getränkemarkt ist mein Arbeitsplatz. In über 55 Jahren hat die Familie Kiesel einen Mittelständiges Unternehmen aufgebaut. Der Gründer Gerhard ist immer noch „in Charge“. Luise, seine Frau hat immernoch die „Finanzen im Blick“. Im Land der Dichter und Denker, im Land der „Käpsele“ haben sie eine Unternehmer Geschichte geschrieben. Der Vater Rudolf, erster Postauto Fahrer der Stadt macht sich in einer Garage selbständig. Damals waren die „Claims“ aufgeteilt. Wuttke, Pfersich und Kiesel teilten sich die Getränke Gebiete. Der junge Gerhard macht eine Lehre, schnell ist er unabkömmlich, es macht ihm Spaß, die Welt der Teppiche und Linoleum Böden bei Düe Handels GmbH, ehemals in der Stuttgarter Straße, wie er mir bei einem Glas Wein erzählte. Er macht sich selbständig, unterstützt den Vater, gemeinsam finden sie neue Bezugswege, neue Vertriebswege. Die Mutter Doris ist die treibende Kraft, immer tatkräftig, immer an der Front, immer auf dem Bierkutscher. Die Stadt wächst, der Mut wird belohnt. Die Kunden schätzen die Familie, die Zuverlässigkeit, die Produktauswahl. Neue Getränke Märkte kommen hinzu, neue Mitarbeiter, die dritte Generation in Verantwortung, die Vierte steht in den Startlöchern. Verantwortung übernehmen in der Stadt, in der man arbeitet und in der man lebt.

Der Bierkutscher 2024

Auf Platz 10 fahr ich mit meiner Führungsgruppe in den Berg. Alpe d‘ Huez, (Alpe d‘ Zwift ) der Mythos. Dramen haben sich auf den 20 Kehren abgespielt. Jede Kehre ist einem TOUR de France Gewinner gewidmet. Gleich 15% Steigung, meine Muskeln brennen, ich schalte auf das kleine Kettenblatt (sorry Präsidente), gleich werde ich von zahlreichen Konkurrenten überholt. Sie rauschen an mir vorbei als wäre ich mit einem Dreirad unterwegs! Ich bin geschockt, kann nicht mitgehen, muss mein Tempo finden. Platz 30 zeigt mir das Display, die zweite Trinkflasche leer, der Akku auf 5 %. Komm ich ins Ziel? Noch 5 Kehren, links und rechts türmen sich die virtuellen Schneemassen, Steinadler kreisen über den Köpfen, ein Schneehase hoppelt über die Straße. In der Wirklichkeit, der Keller dunkel und kalt, der Schweiß tropft, leichtes röcheln meiner Lungen ist zu hören, das Handtuch vollgesogen, die Beine müde. Es wäre einfach, es wäre ein leichtes, den Computer ausschalten, den Netzstecker vom wahoo Smarttrainer ziehen und duschen gehen. Ich bleib dran, fahr mein Rennen ordentlich zu Ende, der Gipfel erreicht, mit Platz 29 steh ich auf der Finisher Liste. Socken werden mir freigeschaltet, was will man mehr…..

Laufleise radele ich mit meinem Merida Reacto, mein Puls ruhig, atme kühle Bergluft ein, die tiefstehende Sonne spiegelt die Bergspitzen auf der klaren Oberfläche des Reintaler See. Ein atemberaubendes Panorama. In weiter Ferne sehe ich die Alpen. Dort hoch oben über die Höchsten Alpenpässe muß ich in wenigen Monaten den Drei Länder Giro und den Mystischen Öztaler bewältigen. Werde ich das schaffen? Oder werde ich aufgeben, enttäuscht in den Besenwagen einsteigen? Ich brauche die Herausforderung, ich brauche die Challenge, auch wenn ich scheitere! Scheitern gehört zum Leben.

Break down, only alone I will cry out loud
You'll never see what's hiding out
Hiding out deep down
Yeah, yeah
I know, I've heard that to let your feelings show
Is the only way to make friendships grow
But I'm too afraid now

Unser Leben ist eine Reise. Eine schöne Reise. Wir müssen uns Geschichten erzählen. Wo kommen wir her, wo sind unsere Wurzeln? Nur wer sich seiner Geschichte bewusst ist kann die Zukunft gestalten. Eine Unternehmer Geschichte, eine Familiengeschichte, eine Sportgeschichte, eine Freundschaftsgeschichte, manchmal auch eine virtuelle Geschichte! Lasst uns Geschichten erzählen.

Bleibt gesund, bleibt mir treu.

Der Coach (Basti)

Nachlieferung

Das begehrte Öztaler Finisher Trikot,Michel hat Mal ne schöne Sammlung 💪

Piemont

Piemont

Es muss ein Jahr, Ende der 80er, Anfang der 90er gewesen sein. Die „Buwe“ versammelten sich im Hotel Sauer. Zwei Brüder, Joachim, Spitznamen „Effe“ und Christian, genannt „Bruder“. Die Eltern außer Haus, sturmfrei für mehrere Tage. Das Elternhaus wurde zum „Hotel Sauer“ Ich war natürlich dabei und fühlte mich wohl. Aus der Laune heraus, das gute Bier „Schlappeseppel“ ausgetrunken gingen wir in die mit Schmiedeeisen gesicherte Schatzkammer vom Vater und „Effe“ holte einen Gaja raus. Was ich da zu meine: ob der noch Schmecken täd! Schon damals als angehender Weinküfergeselle sagte der Name mir etwas. „Ich glaube der ist teuer,“ stotterte ich! „Scheiss drauf, den machen wir jetzt uff,“ sagte Effe klar und deutlich. In Unverstand und ohne Reue köpften wir die Flasche. Sie war damals schon viel Wert, aber heute unbezahlbar….

mein Piemont

Ich nehme Euch mit, in mein Piemont. 10 % hoch, 10% runter und nochmals 10% hoch, die September Sonne brennt mir ins Genick, ich bin am Limit mit meinem Merida Reacto, diese knallharten Anstiege ziehen einen die Schuhe aus. Aber schön, die Ausblicke ins Tal, in die berühmten sehr gepflegten Weinberge und Haselnuss 🐿️ Sträucher. Noch eine Kehre, am Wegesrande stehen die Reben Spalier, die Nebbiolo Trauben holen sich die letzte Energie, die letzte Reife. Ich geh aus dem Sattel und Gaja taucht vor mir auf! Das berühmteste Weingut Italiens. Welch Erinnerungen werden geweckt. Ich erlebe eine Zeitreise.

Gaja taucht vor mir auf…

Angelo Gaja hat den schweren Nebbiolo ins französische Barrique gesteckt. Er hat Lagen auf seine Weinetiketten geschrieben. Das hat vor ihm keiner getan. Er war ein Pionier, ein Visionär. Heute beim Vorbeifahren fallen mir Sorì Tildin, Sorì San Lorenzo, Costa Russi und ein Cabernet Sauvignon den er „Dammagi“ (Schande) taufte. Ein leckeren Weisswein „Rossj- Bass“ Cuvée aus Sauvignon Blanc und Chardonnay Trauben ist nach seiner Tochter Rosanna benannt – fand ich unheimlich lebendig. Es gibt viele gute Weine, die nur ein Bruchteil Kosten, aber Angelo Gaja war der erste und ein Vorbild für viele junge Winzer in der Welt.

Meine Tour führt mich weiter, über die Hochebene Alta Langa, ich passiere Roddino, Monferrato, genieße die weiten Blicke ins Tal. In der Ferne am Horizont bilden sich die Alpen mit ihren 3000er Gipfeln als Silhouette ab. Herrlich. Mein Ziel nicht mehr weit: Das berühmte Barolo: Wein der Könige und König der Weine. Barolo ist seit 1980 ein DOCG-Wein.

Barolo 🍷

Die letzten Kehren sehe ich vom Berg kommend das Dorf Barolo vor mir. Wie in einem Amphitheater liegen die Weinberge um das Dorf mit den berühmt klingenden Weinlagen Cannubi und Rivera. Ich werde erwartet. Eine Einladung von Marchesi di Barolo. Freudig werde ich von Alex Bonafè in Empfang genommen und ungläubig staunt er über mein Merida Reacto.“Die ganze Strecke mit dem Rad?““Ja, und über die Alta Langa!“

Wir gehen tief in den Keller, die Weinlese hat begonnen. Es duftet nach altem Holz und frisch gepressten Trauben. Wir tauchen ein in die Historie, gehen zurück bis zu den Anfangsjahren Ende des 18. Jahrhunderts, über die Foundation Opera Pio Barolo bis zur heutigen Eigentümer Familie Abbona. Benedetta, Sommelier des Hauses, zeigt uns die Schatzkammer in der die großen Barolo reifen. Wir beenden die Besichtigung mit einer intensiven, launigen Verkostung der Weine, erfahren mehr über die Rebsorten Arneis, Barbera und Nebbiolo.Wir sagen Danke und ja,ich bin ein Traditionalist, der Barolo gehört nicht ins Barrique😉🍷

Ich schwinge mich wieder auf mein Merida Reacto, der Barolo verleiht mir Flügel, die harten Anstiege stürme ich locker hoch, Kette rechts, Druck auf der Pedale,freue ich mir meines Lebens. Steht Barolo auf der Anti Doping Liste?

Bleibt gesund,bleibt mir treu.

Der Coach (Basti)🍷

Zugabe

Giro Barbaresco 🍷 Barolo 🍷 Alba🍷 Guarene 🍷🚴

Arrivederci

1856 Zeder vom Libanon 🌳 Cordero di Montezemolo

Alpe d‘ Huez

Alpe d’Huez

Ich fahr mit meinem Merida Reacto in die 10 % steile Rampe von Alpe d’Huez rein. Meine Muskeln sind auf diese Belastung noch nicht vorbereitet. Die Sonne brennt mir ins Genick, der Schweiß läuft mir in die Augen. Ich nehme die Trinkflasche und spritz mir den Schweiß von Stirn und Nacken. Langsam finde ich mein Tempo, langsam find ich meinen Rhythmus. 21 Kehren, 1132 Höhenmeter sind zu bewältigen hoch in das Skigebiet von Alpe d’Huez 🇲🇫 auf 1850 Meter. Die legendäre Auffahrt der Tour de France. 1952 war Fausto Coppi der erste Triumphator. Jede der 21 Kehren ist einem Rad Champion gewidmet. Die erste Kehre trägt den Namen: Fausto Coppi 🏆

Auigilles d’Arves

Les Sybelles, so wird das Skigebiet in den französischen Alpen genannt. Eingerahmt von den über 3500er Hohen Gipfel der Auigilles d‘ Arves liegt das Dorf Saint Sorrin d’Arves. Unsere Destination. Unser Kurzurlaub im Juni. Es zieht sich, erst hoch zum Col du Glandon, dann noch höher auf den Col de la Croix de Fer (2067 Meter), die untergehende Sonne über den Gipfeln. Ein schönes Panorama. Wir hatten dafür keinen Blick, wir waren gestresst, genervt, wollten nur ankommen. Jetzt noch die steile Abfahrt, das Dorf im Blick, unsere Châlet nicht mehr weit. Endlich nach Stunden im Auto, aussteigen, luftholen, die Tür des Châlet sperrangelweit offen. Ein klopfen, ein zaghaften Bonjour, niemand antwortet. Hinter dem Haus entdecke ich eine ältere Frau beim Gärtnern. Könnte die Dame unsere Vermieterin sein? Ein Salut, ein herzliches Bonjour. Sie warte auf Brokkoli, auf Salatpflanzen für ihren Garten, wie sie uns erzählte. Ein einfaches Haus, in die Jahre gekommen, très francaise würde meine Mutter sagen. WiFi fragte Miri, Oui biensûr! OK, auf meinem Handy hatte ich kein Netz, das französische Fernsehen bekam ich auch nicht zum laufen, die Leselampe nur eine billige Funzel, der rauschende Gebirgsfluss – wir verstanden unser eigenes Wort nicht. Nach Linsen mit Würstchen und einem Glas Rotwein gingen wir müde, gestresst enttäuscht ins Bett. Was sollten wir auch anders tun….

Nach Kehre 20, 19 und 18 finde ich immer besser meinen Rhythmus. Sie sind nach Lance Amstrong (21,19) benannt, der den größten Bluff der Radsportgeschichte schrieb. Mit schmerzverzertem Gesicht das sich zu einer hässlichen Fraze entwickelte fuhr er in den Berg. Er gaukelte Jan Ulrich und Team Telekom eine Schwächephase vor, die den ganzen Tag Tempo machten. Mit seinem kurzen, stakkato artigem Wiegetritt stürmte Armstrong den Gipfel entgegen, gewann überlegen. Ulrich geschlagen und noch schlimmer: gedemütigt!

Der nächste Morgen, auf den alten Betten so recht als schlecht geschlafen. Chablis, ein Mischlingshund aus den Kaparten steht mit der Leine vor mein Bett und will seine neue Umgebung erkunden. Ich muss raus, kein wenn und aber…wir laufen runter zum tosenden Fluss, rauf auf einen Hügel, dort wo die Sonne über den Gipfel aufgeht. Holen uns nasse Füße an einem Bergsee. Auf einem Stein nehm ich Platz, wir genießen das morgendliche Erwachen der Fauna und Flora von Saint Sorrin d’Arves. Herrlich. Nach dieser entspannenden Gassi Runde erreichen wir die Käserei Beaufort. Ich entdecke einen Käse Automaten und ziehe mir kurzerhand einen leckeren gereiften Beaufort. Stolz bringen wir unseren Fang zum Frühstück mit. Elfie und Miri sind begeistert, er wird gleich aufgeschnitten und ratzeputz verspeist. Nach dem Frühstück ins Dorf. Touristenbüro, Souvenir Shop und Tante Emma Laden abgeklappert. (Spüli, Müllsäcke, Toilettenpapier, nichts im Haus, très francaise halt…) Kurzer halt an der vereinsamten Skistation, ein Abstecher zur Kirche Saint Saturnin,jetzt waren wir im Bilde.

Kehre 18, 16 und 15 tragen den Namen Hennie Kuiper, Joop Zoetemelk und Jan Winnen aus den Niederlanden. Sie trugen mit ihren Siegen zum Ruhm und Mythos von Alpe d‘ Huez bei. So das man heute noch vom Holländer Berg spricht.

Gedanken von Jan Winnen

Post aus Alpe d’Huez“ (Covadonga Verlag, 303 S.) auf Deutsch. Es ist keine Biografie im herkömmlichen Format, sondern die philosophische Betrachtung der eigenen Karriere in Briefen. Zweimal siegte Winnen in den 80er-Jahren am mythischsten aller Tour-Berge, darunter als Debütant.

Nun denn“, schreibt er über diesen Julitag 1981, „diese Etappe brachte mich als Rennfahrer dahin, wo ich als Radrennfahrer noch nie gewesen bin.“ Was den Triumph betraf – aber auch die physische Erfahrung. Über seinen (letztlich erfolgreichen) Ausreißversuch etwa sieben Kilometer vor dem Ziel schreibt er: in mir war nichts als eine unendliche Leere. Ehrlich gesagt, hatte ich auch die Lust verloren. Einfach absteigen und in der Menge verstecken, das schien mir die beste Lösung. Meine Muskeln fühlten sich an wie verhedderte Schnüre. Etwa an diesem Punkt endeten alle konkreten Gedanken.“

Das größte Event steigt jedoch in Kehre Sieben. Die nach Gianni Bugnio 🇮🇹 benannt ist. Etappensieger von 1990. Als der niederländische Pfarrer Jaap Reuten 1964 dort zum Skifahren war, konnte er nicht glauben, dass es dort keine Kirche gab. Also ließ er eine errichten, ging dort selbst seinem Beruf nach und läutete beim Sieg seines Landsmanns Joop Zoetemelk 1976 die Glocken. Fortan tat er das bei jedem niederländischen Sieg, acht sind es bis heute. Kristian von der Radbande sendet mir ein motivierendes Video,schaut selbst!

Der nächste Tag stand im Zeichen der Dauphiné. Ein 7 Tage Radrennen, eine gute Vorbereitung für die Tour de France. Fast alle Tour Favoriten waren am Start. Jumbo Visma mit Jonas Vingegaard, Bora Hansgrohe mit Jai Hindley, UAE mit Adam Yates und Bahrain Victorious mit Jack Haig.Und viele weitere Top Team der UCI Rangliste. Start in Port de Savoie führte das Rennen über den Col de la Madeleine, Col du Mollard, an unserem Dorf Saint Sorrin d’Arves vorbei. Dort sollte das Finale eingeläutet werden. Es folgte der 5 km harte Anstieg hoch zum Gipfel, hoch zum Col de la Croix de Fer. Ein Episches Finale.🏁

Ziel 🏁 auf 2067 🏔️ Meter

Nach dem Frühstück schnappte ich mir mein Merida Reacto und stürmte mal kurzer Hand hoch zum Gipfel Croix de Fer. Oben war schon der Teufel los. Die Flame Rouge, der letzte Kilometer, Abspeergitter säumten meinen Weg. Ich ging in den Wiegetritt, meine Hände am Unterlenker wie Pantani zu seiner Besten Zeit raste ich über die Ziellinie. Ich hab schon Mal vorgelegt. Ich gönnte mir einen guten Espresso in der Gipfel Bar, Doping für die Seele.

Col de la Croix de Fer 🏁

Kehre 3 und 2 sind nach Marco Pantani benannt. Er hält den Streckenrekord mit einer Fabelzeit von 37:35 Minuten. Eine Zeit unter der Hochzeit des EPO Dopings! Ich nehm mir noch Mal einen Schluck aus meiner Trinkflasche mit reinsten Gebirgswasser, geh in den Wiegetritt, stelle mir in Gedanken das Finale der Tour de France vor. Hinter mir das Begleitmotorrad mit Kameramann, über mir der kreisende Hubschrauber und vor mir ein Spalier aus tausenden Tifosis. Bernard Hinault, Greg LeMond, Jan Ulrich, Eddy Merckx, Guerini ( nach ihm ist die letzte Kehre 1 benannt) sind an meiner Seite. Hoffentlich werde ich nicht von einem Amateur Fotografen zu Boden gerissen, wie damals 1999 bei Giuseppe Guerini ’s Sieg kurz vor dem Ziel von Alpe d’Huez, denk ich mir. Nein es läuft, vereint im Kampf gegen seine inneren Dämonen, vereint im Kampf gegen seinen inneren Schweinehund, begleitet vom tosenden Jubel der Menschenmassen. Hand in Hand erreichen wir das Ziel.🏁Schön war’s

Bleibt gesund,bleibt mir treu

Der Coach (Basti)

Besenwagen

Ein Kurzurlaub in die französischen Alpen, in ein Hochgebirge von unglaublicher Schönheit. In eine Welt in der Radsportgeschichte geschrieben worden ist, aber auch in einer Welt von satten grünen Wiesen, schneebedeckte Berge, Alpenglöckchen, blau blühender Enzian und weiße Teppiche von Dichter Narzissen. An den Berghängen süße verspielte Murmeltiere, kreisende Steinadler 🦅 hoch über unseren Köpfen. Es pustet den Kopf frei, frei vom Stress unserer Zivilisation.

Ich hab schon Mal vorgelegt …

Meine Zeit am Col de Croix Fer🏁

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