Atlanterra

oder

eine Vuelta Espania

Es war an einem Silvester Abend. Man sass gemütlich mit guten Freunden beisammen. Coronabeschränkungen ließen keine grossen ausufernden Partys und bunte krachende Feuerwerke zu. Es war ein feiner Abend, gutes Essen, guter Wein und anregende Gespräche. Man war froh wieder beisammen zu sein und nicht über das C Wort zu reden. Nach langem gab es Mal wieder andere Themen und das tat gut. So kam das Gespräch auf unser Leben im Alter. Wo und wie will man Leben? Wo ist der Platz, wenn die Kinder gross, das Haus bezahlt und die Rente naht? Warum nicht gemeinsam alt werden. Aber wo und wie? Ich hatte mir noch keine Gedanken gemacht, fand die Idee aber charmant. Zusammen ist man weniger Allein.

Andalusien, unendlich lange weiße Sand Strände. Die schönsten Sonnenuntergänge Spaniens. Morgens trifft man sich  auf einen Cordado in den unzähligen Bars und Kneipen, am Abend auf einen Aperitif, schwärmte Sandra uns ihre Idee vor. Die Idee kam an. Marbella rief Sven begeisternd in die Runde.Wo die schönen und Reichen zu Hause sind schmunzelte Mela. Also, ab in den Süden.

Spanien kannte ich nicht, höchstens von den Weinen die ich gerne trank. Ein Rioja, ein Rueda oder Mal ein Wein aus dem Priorat. So plante ich erstmal unseren Jahresurlaub nach Spanien. Eine Reise mit Miri, Elfie,Chablis konnte beginnen. Mein Merida Reacto durfte nicht fehlen. Über Südfrankreich, ein paar Tage in den Pyrenäen, einen Stop in Lourdes sollte der erste Übernachtung auf spanischen Boden Salmancar sein. Eine gute Woche dann in Andalusien, auf der Rückfahrt über Marbella, das Ebro Delta, einen Halt in den Cevennen und der Abschluss unserer Rundreise hieß Dijon im Burgund. Was für eine Tour, eine Vuelta Espania. Diese Tour möchte ich Euch Hier und Heute beschreiben, eine Tour auf der Suche nach unserem privaten Residential, auf der Suche nach Atlanterra.

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, so fuhr ich schon eine Woche vor unserem Urlaub mit einer Dachbox durch unsere Stadt. Mein Merida Reacto kam noch zwischen Proviant und Schwiegermutter an diesem Morgen und ab auf die Autobahn gen Süden. Der erste Stop, Valreas, Provence, immer wieder schön „nach Hause“zu kommen. Aimée und Julian begrüßten uns herzlich. Am Abend, aus dem Kühlschrank funden was nettes gezaubert, gutes Essen, gute Gespräche, die Kinder sind gross geworden.Wo ist die Zeit geblieben?

Nach Hause kommen

Der nächste Tag, frische Croissant 🥐,frisches Baguette, man ist in Frankreich. Danke Hubert,du bist ein Schatz.Danke für alles.🥰

Die Pyrenäen, die grosse Gebirgskette, die Frankreich und Spanien trennt. Über 200 Dreitausender! Kannte ich nicht. Nur durch die Tour der France im Fernsehen, mit dem Tourmalet, mit dem Aubisce, mit dem Col de la Perche (1.581 m) Monumente der Radsportgeschichte. Es war beeindruckend, bei der Ankunft in unserer Ferienwohnung, hoch oben auf dem Hügel, die großen Berge im Hintergrund. Mystisch. Palmen, ein schöner Garten. Die untergehende Sonne taucht den Naturpark Pyrenäen Meditarinee in ein atemberaubendes goldrotes Schauspiel. Empecables! Unser Domicil für die nächsten 5 Tage. Frühstück auf der Terrasse, die 3000er im Blick, mein Merida Reacto blitzte im Sonnenlicht, ich hatte Bock die hohen Cols zu bezwingen,  aber erstmal ging’s mit Miri, Elfie und Chablis in eine Wallfahrtskapelle..

Erstmal ne Kerze anzünden 🕯️

Kleine Straßen, warm fahren, den Puls spüren, finde ich den Einstieg zum Col de la Crouzette (1245), dann hoch zum Col du Portel ( 1465 Meter) , gute Bedingungen, Windstill, die starke Sonne scheint nur gelegentlich durch. Die dichten Wäldern der Pyrenäen schützen mich vor den gefürchteten Winden. Die Waldgrenze erst auf 1200/1300 Metern. Im Einklang mit meinem Rennrad, runder Tritt, finde ich mein Tempo am Berg. Fühle, die Luft wird dünn, die Lungen brennen, aber die weiten Ausblicke  auf die grossen Gipfel, motivieren mich, geben mir Kraft. Ich finde meinen Rhythmus, noch zwei Kehren, die Passhöhe gleich erreicht, jetzt nochmal in den Wiegetritt, ein Schluck aus der Trinkflasche. Erreicht. Schnelles Foto, weiter geht’s, immer weiter, jetzt stürze ich mich in die gefährliche Abfahrt. Ich riskierte nichts, die Bremsen Quietschen, sie Qualmen, sie halten !

5 Tage Pyrenäen, 5 Tage voller neuer Eindrücke. Hoch auf den Lac Bethmale (1264 Meter), rein in einen Bergfluss zur Abkühlung, schlendern im Klostergarten von Abbaye de Combelongue und auf der Suche nach den ersten Menschen in der Höhle von Mas d’Azil vor 18000 Jahren. Die Kombi macht’s.

Splendide vue Pyrenées

Der Abschied fiel schwer, aber es musste sein. Wir waren ja auf der Suche nach unserem privaten Residential. Also ab, auf die Autobahn Richtung Spanien, aber erstmal eine Kerze 🕯️ in Lourdes anzünden.Welch eine spirituelle Energie welch eine katholische Party. Alles ist auf den Beinen. Jung, alt, gebrechlich, fromm und frech.Ich sitz am Morgen auf einen Espresso vor dem Eingang zur der Grotte Massabiele in einer Bar. (Hunde dürfen nicht rein) Am Nachbar Tisch bestellen sich erstmal die Damen zwei Bier 🍻 Schön hier, Miri kommt mit 4 Flaschen selbst gefülltem Lourdes Wasser. Und wie schmeckt es? Normal, nach Wasser halt,leicht gechlort die Antwort.

Mit Lourdes Wasser im Gepäck überqueren wir die spanische Grenze. Über endlose Weiten geht es nach Salamanca.Wir sind begeistert. Es ist ein Samstag, die Stadt brennt, die ganze Stadt feiert eine grosse Fiesta und wir sind mitten Drin dabei. Es macht Laune.

Imposante

Der nächste Tag, ein schneller Cordado keine Zeit mehr für Kultur, keine Zeit für Salamanca. Unser Haus, eine Finca am Atlantik war das Ziel. Einsam durch schmale holprige Wege lag die Finca, weiss getüncht in der Abendsonne, in Sichtweite der brausende Atlantik. Ein Traum aus einem TUI Katalog. Herrlich.

Finca Andalusia

Miri stürzt sich gleich mutig in die Brandung. Respekt. Wette verloren, hier der Beweis Schwarz auf Weiss

Die traut sich

Wir fühlen uns wohl, Spaziergang an unendlich langen Sandstränden, am Nachmittag in den Schatten spenden Palmen zu dösen, am Abend ein frischen Fisch aus dem Meer, aus dem Atlantik. In der Region werden traditionelle Fangmethoden angewendet, besonders für den bedrohten Thunfisch. Ein guter Wein, ein Rueda oder ein Verdejo aus dem Ribero del Duero begleitet das leckere Abend Essen. Lecker

Mein Merida Reacto wartet, ich bin schon ungeduldig, möchte die Küsten Straße Andalusien kennen lernen. Miri, Elfie, Chablis dösen im Schatten, ich nutze die Chance, ich ziehe das Radbande Trikot über, schnapp das Rad und rolle leise und sanft über die Küsten Straßen. Es läuft. Nehme Tempo auf, trete mit großem Kettenblatt hoch durch Kiefernwälder im Naturpark Brena y Marismas kräftig in die Pedale. Nur das Rauschen des Atlantiks und surren meiner Kettenblätter ist zu hören. Ich hab Spass. Eine Herausforderung kommt noch. 2015 war das Finale der Vuelta Espania 🇪🇦 in Vejer. Alejandro Valverde gewinnt die Etappe. Ich nehm die gleiche Route wie damals. Es knallt, richtig steil die letzten Meter, ich geh in den Wiegetritt, ich kotz, ist das steil, die letzte Rampe von Vejer der la Frontera. Oben in der Stadt angekommen biege ich auf einen Cordado in eine Bar ein, ich feiere mich selbst.

Nun, die Suche auf unserem privaten Residential haben wir noch nicht aufgegeben. Wir cruisen am Nachmittag entlang der Küste. Vor uns taucht Atlanterra auf, eine Villen Gegend, entwickelt von Schweizern, die schon in den 1960er Jahren dieses Idyll entdeckten. Schick, tré chick! Hinter hohen Mauern, jede Villa ein Traum, fein eingebettet in die Küstenlandschaft .Wir halten, genießen den Blick, eine Ziegenherde zieht an uns vorbei. Vor uns eine Parzelle, mit Wachholder, Ginster und mit spanischer Heide beflanzt. Könnte dies unser Land werden, unser Traum, unser privates Residential? Ein Haus am Atlantik, am Ende der alten Welt, der Blick wandert in die Tiefe des Atlantiks. In weiter Ferne, kann das Afrika sein, fragt mich Miri ungläubig. Ja, Das Atlas Gebirge, nur 20 km Meer trennt Europa von Afrika an dieser Stelle, wir sind fasziniert. Wir schlendern runter zum Strand, ich stürze mich mit Chablis freudig in die Brandung, schmecke Salz auf meinen Lippen, eine grosse Welle verschluckt mich, juchzend tauche ich wieder auf. Es macht Laune. Genießen den Sonnenuntergang, lassen unsere Blicke schweifen, hoch zum Leuchtturm Faro Camarinal, entlang der Küste hoch zu unserem Stückle, wie man im schwäbischen sagt. Dort könnte unser Haus stehen, unser persönliches Atlanterra.

Unser Stückle

Wenn es am schönsten ist soll man bekanntlich aufbrechen. So verließen wir noch vor Sonnenaufgang unsere Finca Andalusia entlang der Spanischen Küste.Wir passieren Gibraltar und machen einen Abstecher nach Marbella rein. Ich bin enttäuscht, der Strand grau, die Wellen plätchern vor sich hin. Die ersten Sonnenanbeter cremen ihre Haut, die ersten übergewichtigen Sportler laufen die Promenade hoch und runter, müde Urlauber schlendern unmotiviert durch die Gassen. Einfach Proll. Vielleicht bin ich nicht gut drauf, aber hier kann ich mein Lebensabend nicht vorstellen. Wir fahren weiter,ein Yurte im Ebro Delta ist unser Ziel für eine Nacht. Auf geht’s entlang zu gebauter Küstenstraße, Beton wo man hinsieht.

Afrika

Co Pilot Miri lotst mich mittels GPS Signal durch den Naturpark im Ebro Delta.100,70 50 ,20 Meter, jetzt scharf rechts dann gleich links, noch 800 Meter! Vorsicht Graben, 20 Meter unbekanntes Hinderniss, was für eine Rally in dem Ecologic Oliven Reservat. Ziel erreicht. Ich puste durch, die Eigentümerin begrüßt uns Vier herzlich, führt uns zu unserer Yurte für eine Nacht. Ein Traum unter dem spanischen Himmelszelt. Boenas Noches. Der nächste Morgen, ein persönliches Frühstück, ein guter Start in den Tag, ein guter Abschluss ,ein Adios.🇪🇦

Unter dem spanischen Himmelszelt
Buenos dias, gut geschlafen 🐕

Es warten die Cevennen, es wartet ein weiters unbekanntes Land. So viel hab ich in Europa noch nicht gesehen, so viele schöne Ecken sind noch zu entdecken. Das gute liegt so nah, so auch die ursprüngliche Bergregion, ein UNESCO Weltkulturerbe. Wir erreichen auf 800 Höhe unsere Unterkunft. Hotel Restaurant Gare aux Anes. Ein ehemaliger Bahnhof Combe Redonde. Am Abend im Restaurant herzliche gute französische Küche. Mein Menü schließe ich mit einer feinen Käseplatte. Ein würzig, salzigen Roquefort begeistert meine Sinne. Stolz berichtet mir die Gastgeberin das dieser Käse nicht unweit des Dorfes entstanden ist. Und heute noch in den Höhlen von Roquefort reift. Lecker.

Sonnenaufgang in den Cevennen

Die Reise neigt sich dem Ende, aber ein Highlight hab ich noch.Wer kennt sie nicht die grossen Weine des Burgunds. Ein Mersault einen Corton, einen Montrachet oder doch lieber ein Pommard. Ich kann mich nicht entscheiden, einer besser als der andere, ich liebe das Burgund. Ich liebe die Weine. Es ist kein Chardonnay, es ist kein Pinot Noir, es ist Terroir! Jeder Weinberg ein kleines Juwel, liebevoll eingerahmt von kleinen Mäuerchen. Empecables.

Dies war die Reise auf der Suche zu unserem privaten Residential, eine Reise in unsere Zukunft. Wie soll sie aussehen, wo möchten wir Leben? Finden wir unser Coup der Couer? Wir haben viel gesehen, wir haben viel erlebt, wir haben viel diskutiert. Alt werden mit guten Freunden, gesund alt werden, mit einer hohen Lebensqualitäten, mit Lebensfreude. Gelingt uns das? Ja, packen wir es an.

Bleibt mir treu, bleibt Gesund. Euer Coach

Zugabe

Cevennen