Schlagwort: Mont Ventoux

Wind of Change 🚴🏻🇫🇷🌬️

Wind of Change 🔆

I follow the Moskva
Down to Gorky Park
Listening to the wind of change
An August summer night
Soldiers passing by
Listening to the wind of change

Wie ein grosser Fischschwarm gleitet mein Peloton die kurvigen Straßen der Drôme Provecal entlang. Hochkonzentriert, den Lenker fest im Griff trete ich in Pedale. Der Mistral weht in Sturm Böen über unseren Köpfen. Gefährliche Seitenwinde, ich kämpfe, nutze die ganze Breite der Straße. Fühle mich wie ein alter Kahn auf Hoher See, die Wellen bestimmen mein Rythmus. Nur nicht abreißen lassen, der Kalte Wind frisst sich in meine Glieder, jetzt kommt er direkt von Vorne, mach mich klein, sehr klein auf meinem Merida Reacto. Das Rennen ist eröffnet, La Corima ist gestartet und ich bin Mitten drin, im Zentrum des Orkan.

La Corima, das Rennen, jedes Jahr Ende März in Montélimar ist der erste Höhepunkt der Radbande, genannt: die #strombergbuben. An meiner Seite Michel (The Legend), Thomas, Jugendleiter der Stuttgardia und Marco, (Porthos) uns noch gut in Erinnerung vom letzten Jahr, dort hat er unseren Rookie Wilhelm über die Berge gezogen. Ein unvergessenes Wochenende steht uns bevor. Die 4 Räder auf dem Fahrradträger verstaut, im Kofferraum hat Thomas, seine schnelle Rennmaschine versteckt, er ist für jedes Terrain gerüstet. Mit Marco wird er sich auch an der 100 km langen Gravel Tour beteiligen, eine neue Herausforderung im Programm der Organisatoren der Kultveranstaltung „La Corima.“ Über dieses Wochenende möchte ich euch gerne berichten.

Vieles nehmen wir für  selbstverständlich, vieles ist verfügbar, wir haben alles. Uns geht es gut. Wir haben Reisefreiheit, Meinungsfreiheit. Eine ganze Generation hat dafür gekämpft. Und doch ist der Mensch unzufrieden. Eine neue Generation weiss nicht, was es bedeutet, nicht Frei zu sein. Es gab eine Zeit, die ist noch nicht lange her, die jeder von uns erlebt hat, da gab es noch unerfüllte Träume. Ost und West war geteilt, eine Mauer mit Stacheldraht und Selbstschutz Anlage trennte Deutschland. Der junge Thomas diente in der Nationalen Volksarmee (NVA). Einmal Hamburg sehen, einmal unterm Eifelturm, Sehnsuchtsorte, einer ganzen Generation. Eines Morgens kam er zum Dienst. „Die Grenze ist offen,“ rief ein Feldwebel. „Ihr spinnt doch alle,“ murmelte er ungläubig in sich hinein. Wenige Wochen später machte Thomas sich mit Freundin in seinem alten Lada ohne Geld auf den Weg die neue Welt, die neue Freiheit zu erobern. Seine Träume zu leben. Kurz vor Paris ging das Benzin zu neige. Mit einem Liter Spiritus vom Camping Kocher fing der Lada wieder an zu laufen und unter grossem Applaus wildfremder Menschen fuhr er unterm Eifelturm. Was war das für eine schöne Zeit.

Alle, die von Freiheit träumen
Sollen's feiern nicht versäumen
Sollen tanzen auch auf Gräbern
Freiheit, Freiheit
Ist das Einzige was zählt

Heute ist uns der Applaus von Mama Christa und Anthrosoph Hubert sicher. Sie begrüßen uns freudig, die provencalische Sonne lacht, Fritzie der Familienhund wedelt, die Pinien wehen sanft im Wind. Bienvenue á Valréas 🇫🇷.Nach einem Petit Café gehen wir Vier auf eine kleine Willkommen’s Runde. Die Beine lockern, die klare Provencalische Luft einatmen, die letzten Sonnenstrahlen genießen. Herrlich.

Ich war noch nie auf dem Mont Ventoux, murmelt Marco am Abendessen und schlürft weiter die leckeren Metzger Maultaschen. Ich muss da hoch. Ja, aber wir haben März, der ist Schneebedeckt und Mistral kündigt sich an, erwidere ich Kopfschüttelnd. Von Sault, die Ostseite hoch ist sicherlich möglich, ergänzt Thomas. OK, dann entlang im Tal der Toulourenc und die Nordseite nach Malaucène herunter. Wird sportlich, aber jeder muss Mal den Berg der Winde bezwingen, auch wenn der Pass gesperrt ist und der Gipfel Schneebedeckt.

Tal de Toulourenc

Wir sind gut drauf, nach Baguette, Croissants und Petit Café und freuen uns auf die Tour zum Giganten, zum Mont Ventoux. Die Reifen auf 8 bar, die Trinkflaschen gefüllt, rollen wir entlang kleiner Straßen in das das Tal der Toulourenc, die ersten kleineren Cols ist ein kleiner Vorgeschmack was noch auf uns wartet. Die Ausblicke erfreuen unser Herz, der Blick zum Gipfel Kreuz zeigt uns den Weg. In Sault beginnt der Anstieg, jeder fährt sein eigenes Tempo, jeder ist jetzt auf sich allein gestellt. Schnell erreichen wir Chalet Renard, huschen unter der  Passsperre durch und haben noch die berühmten 6 km in der offenen Steinwüste des Mont Ventoux zu bewältigen. Der Berg der Winde wird seinen Namen gerecht. Mit Böen von Spitzengeschwindigkeiten über 80 Stundenkilometern ist der Wind der Gegner an diesem Tag im März. Mit jeder Kurbel Umdrehung kommen wir dem Gipfel näher, er ist schon zum greifen nah. Noch ein, zwei Kehren, am Denkmal von Simpson 🕊️vorbei (Put me Back on my Bike) holen wir unsere letzten Kraftreserven heraus, ein letzter Schluck aus der Trinkflasche. 1909 Meter hohe Gigant ist bezwungen. Von der Bucket Liste gestrichen! Ein schnelles Foto und mit dem Wissen, die Nordseite ist unpassierbar, der Schnee noch Meter hoch, geht die rasante Abfahrt die Südseite nach Bedoin im atemberaubenden Tempo herunter 🚀.

In Valréas warten schon unsere Freunde vom Radsportclub VCV bei Käse und Wein.  Michel (The Legend) hat die Betreuung übernommen. Ausführlich wird unsere  Tour erzählt, die ein oder andere Anekdote hinzugefügt, eigene Erfahrungen und Erlebnisse jedes einzelnen Radrennfahrer bereichert den geselligen Abend. Mit dem Versprechen im Mai 2026 mit der Radbande nach Valréas zum Jumelage Austausch zwischen den befreundeten Städten Sachsenheim und Valréas zu kommen geht ein fröhliches Radsport Treffen zu Ende.

Gravel

100 Kilometer Gravel. Das Wort kommt aus dem englischen und heißt übersetzt: Schotter. Eine neue Sportart, abseits befahrener Straßen besonders im Winter sehr beliebt. Thomas kommt aus dem Cyclo Sport und hat das nötige Talent und Können. Er hat sich auch schon für die kommende WM qualifiziert. Marco auch ein leidenschaftlicher Gravelfahrer ist mit ihm an seiner Seite und so gehen sie auf unbekanntes Terrain, über Stock und Stein, über kleine Hügel, tiefe Schluchten entlang der Rhône. Ich bin derweil mit Michel in die kulinarischen Köstlichkeiten Frankreichs eingetaucht, schlenderten gemütlich  entlang feiner Marktstände und machten auf unsere weiße einen feinen Espresso Stop.

Am Renntag, der Mistral hat nochmal an Geschwindigkeit zugenommen. Die Organisatoren sind kurz davor das Rennen abzusagen. Ich hol mir meine Startnummer, 1477 so meine Nummer, rolle zu meiner vorgesehenen Startposition, hunderte Rennradfahrer stehen schon vor mir in  ihrem Startblock, können es nicht erwarten, Nervosität liegt in der Luft. Thomas verabschiedet sich, wünscht mir Glück, ist im grossen Rennen über 150 km gemeldet und startet 15 Minuten früher. Mein Rennen nennt sich Gobik, hat eine Distanz von 120 km und ist nach einem französischen Trikot Hersteller benannt. Nach mir Startet  Sesam, ein Rennen über 92 km. Der Stadionsprecher begrüßt Lorant Jalabert, der berühmte Rennradfahrer aus den Neunziger Jahren, Gewinner Mailand – San Remo, Vuelta und unzählige Tour Etappen. Jalabert warnt vor den Böen, besonders von der Seite mit 90 Stundenkilometern können sie selbst erfahrene Rennradfahrer gefährlich werden!

Ich muss eine gute Gruppe erwischen, nur im Peloton kann ich dieses Rennen überleben. Die ersten 50 km sind geprägt von starken Seitenwinde, teilweise direkt von Vorne. Starke Jungs übernehmen die Führung, müssen im Mittel 100 Watt mehr treten. Ich hab Mühe mich zu behaupten, am Hinterrad zu bleiben. Erst in den Bergen sind wir geschützt, ich muss dem Tempo der ersten 2 Stunden Tribut zollen, oder war die Tour zum Mont Ventoux nicht die beste Vorbereitung, nicht die beste Idee? Nach einer kleinen Verpflegungspause nehme ich gestärkt mein Tempo wieder auf, von hinten schließen sich starke Jungs auf und im Sinne des belgischen Kreisels rasen wir jetzt teilweise mit Rückenwind dem Ziel entgegen.Ein höllisches Tempo wird angeschlagen, auf gerader Strecke zeigt mein Rad Computer annähernd 60 Km/h an. Ungläubiges staunen. Auf der Zielgeraden in Montélimar bereite ich mich auf den Zielsprint vor. Wie einst ein Greipel, wie ein Zabel lege ich einen dicken Gang ein und Stürme aus dem Windschatten dem Ziel entgegen. Gagné🏁🇫🇷

Verpflegung Station

Im Salle de Fête kommen alle Helfer, alle Polizisten, Streckenposten, alle Rennradfahrer zusammen. Ich genieße die Atmosphäre, ich genieße mein Menü und wie soll es anderes sein in Frankreich 🇫🇷gibt es auch ein Gläschen Rouge 🍷 Santé

Am Abend kommen wir alle zusammen kochen ein zartes französisches Landhuhn, trinken ein Glas 2020 amitie. von Domaine Maximilian 🍷reden über Gott und die Welt. 4 Tage mit guten Freunden, mit guten Radsportlern, mit guten Gastgebern, in einem Land wo die Zitrone blühen oder das Leuchten des Lavendels uns blendet. Wir haben unsere Träume gelebt. Merci

Bleib mir treu, bleibt gesund

Der Coach (Basti)

Au revoir

Die Zweite Luft

Musik an der Strecke 🎙️🎶

Der Besenwagen

oder

der dunkle Berg soll leuchten

Die Tour hatte nach Jahren der Abstinenz den Mont Ventoux wieder im Programm. Diesmal noch schwieriger, noch mörderischer, zweimal auf der gleichen Etappe muss dieser Berg, dieser weiße Gigant, dieser Mythos bezwungen werden. Dort, auf dem Gipfel, wird die Tour de France entschieden, so sind sich alle Experten einig. Ich bin dabei, im Windschatten meiner Radbande im Stromberg schlagen wir unsere Zelte wieder in Valréas auf.

Benni Thomas L. Felix Thomas F. Sebastian

Es war das Jahr 2002 mit meiner damaligen Freundin Elli und Igga, ein Kumpel von den Buwe aus Rottenberg, mit denen ich hautnah den legendären Kampf am Mont Ventoux verfolgen konnte. Wir standen noch auf Höhe der Waldgrenze im Schatten der Bäume und warteten gebannt auf das Peloton. Zu Fuß haben wir damals uns, kommend von Bedoin, auf den langen Weg zum Gipfel gemacht. Links und rechts am Straßenrand picknickten ganze Familien mit Oma, Opa, samt Kindern und Hunden und freuten sich auf die Tour am Nationalfeiertag. Elli sah in dieser Wanderung überhaupt keinen Sinn. Legen wir uns hier ins Gras, dort ist ein schöner Baum der Schatten spendete, sagte sie. Ich wollte doch auf dem Gipfel, zumindest am Memorial von Simpson auf meine damaligen Helden warten. Sie anfeuern, sie anschreien, vielleicht ein Stück mitrennen, ihnen den letzten Pusch geben. Lasst uns bis zu dem steilen Stück dort vorne laufen, dort sehe ich auch schöne schattige Bäume, meinte Igga. Ok, ich war überstimmt und musste insgeheim eingestehen, ich hab das alles unterschätzt. Elli breitete die Picknick Decke aus, Igga schnitt das Baguette und den Käse sowie leckere Tomaten aus Papas Garten. Ich holte eine Flasche Domaine Maximilian aus dem Korb. Gegenüber feierten Holländer schon lautstark und nicht weit weg hörte ich die Tifosi grölen. Ganz Europa war auf diesem Berg. 

Igga Mama Elli Sebastian

Die Radbande im Stromberg ist in den Löwensteiner Bergen unterwegs. Und ich versuche kämpferisch das Hinterrad vom Thomas zu halten. Beißen Coach beißen, brüllt er mir zu. Es geht in die Steile Rampe von Jux hoch. Ich geh in den Wiegetritt.17%. Ich denk an die Verrückten von Jux. Von drei verschiedenen Seiten hoch nach Jux und du wirst im erlauchten Kreis aufgenommen. Genauso wie die Verrückten vom Mont Ventoux, sinniere ich. An einem Tag von drei verschiedenen Seiten den Berg der Winde erklimmen. Das ist die ultimative Challenge. Marc, Benni und Felix rauschen locker an mir vorbei. Nochmal 20 sein. 

Löwensteiner Berge

Klar wussten alle, die sind voll bis unter die Haubitzen. Ohne Doping, ohne verbotene Substanzen schafft man diese Leistung nicht. Es war ein offenes Geheimnis. Selbst der erste Doping Tote Simpson, der mit einem Cocktail aus Amphetaminen, Alkohol kurz vor dem Gipfel zusammenbrach, dem wird heute noch gehuldigt. Es war mir damals egal, der Tour Funk kündigte die Spitzenreiter an. Die Spannung stieg, eine Spitzengruppe bestehend aus Virenque, Ulrich und Armstrong hatten 3 Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld. Lance Armstrong, der große Dominator, eine Krebserkrankung überwunden kam er so stark wieder auf die internationale Rad Bühne. Man konnte ihm nie was verbotenes nachweisen. Wir glaubten einfach an seinen unmenschlichen Kräften, an seinen Fahrstil mit kurzen kleinen Übersetzungen, mit seinem eisernen amerikanischen Willen. Sein Buch: “Tour des Lebens, wie ich den Krebs besiegte und die Tour de France gewann” war damals ein Bestseller. Meinem Schulfreund Olli aus Kindheitstagen habe ich immer gerne einige Passagen daraus vorgelesen. Die Zeilen haben ihm damals Mut gemacht. Er hatte Krebs im Endstadium. Aber am Ende waren seine Siege nur Lug und Trug! Es waren meine Idole aus dem Fernsehen. Richard Virenque konnte sich kurz vor dem Ziel in der Steinwüste am Mont Ventoux von der Spitzengruppe lösen und gewann als Franzose am Nationalfeiertag die Etappe am Gipfel überragend. Gemütlich schlendernden wir Drei von diesem Berg wieder gen Heimat. Ich, noch ganz aufgeregt meine Idole hautnah gesehen und angefeuert zu haben. Igga, der sich mit Holländern und Tifosis verbrüderte. Elli, die gemütlich auf der Picknick Decke nach einem Glas Wein mit Baguette und Käse unter den Schatten spendenden Eichen gedöst und geruht hatte. Es war schön. 

Lance

Ich höre gerne einen Podcast, der heißt: Besenwagen. Drei Jungs, sehr unterschiedlicher Natur plaudern locker über Radsport. Mag ich. Ich hab auch ein schickes Trikot von der Marke Rapha mit den Motiven und Schrift ”Der Besenwagen”. Sehr klar, sehr stylisch. Ab und an ziehe ich es zu unseren sonntäglichen Ausfahrten der Radbande im Stromberg an. Thomas schaut ein bisschen kritisch von der Seite. Basti, bist du schon einmal im Besenwagen gesessen, fragt er mich ein bisschen spöttisch. Nein nie, antworte ich ehrlich. Thomas, ein ehemaliger Radprofi, berichtet mir von seinen Erlebnissen. Es war kalt, ich war am Ende, abgeschlagen, konnte nicht mehr. Zum Ziel war noch weit. Ich stieg ein, erzählte er mir mit brüchiger Stimme. 

Besenwagen

Brauchen wir nicht alle im Leben mal einen Besenwagen, denke ich nach. Eine Familie die einen auffängt, wenn man am Boden liegt. Ein guter Freund, der da ist, wenn man ihn braucht? Ich mag den Begriff. Er hat was Beschützendes. Etwas heimeliges. Und das im Profi Sport, in dem es nur um Gewinnen und Verlieren geht. 

Der Tag ist gekommen. Die Radbande im Stromberg ist wieder zu Gast bei Mama Christa in Valréas. Die Sonne brennt, die Butter schmilzt am Frühstücks Tisch. Es wird ein heißer Tag in der Provence. Nur der Mistral mit einer leichten Brise, verspricht eine kleine Abkühlung. Wir sind gut vorbereitet. Die Touren in den Löwensteiner Bergen, im Stromberg und im Black Forest haben unsere Körper gestählt für diesen Tag im Juli hoch zum Gipfel des Mont Ventoux. Das Peloton der Tour de France erwartet unsere lautstarke Unterstützung. 23 Teams mit insgesamt 184 Fahrer gehen auf die französische Schleife. Bora Hansgrohe, mit Nils Polit und Emu Buchmann, das Ineos Grenadiers Team mit Richie Porte und Geraint Thomas, Jumbo Visma mit Roglic und Tony Martin, Israel Start-up Nation mit Sprinter Greipel und Rick Zabel, nur um einige zu nennen. Es ist das Who is Who des internationalen spitzen Radsportes am Start. Wir werden da sein. Wir werden alles geben. 

Wer möchte ein 5 Minuten Ei von glücklichen Hühnern? ruft uns Mama Christa aus der Küche zu. Die Radbande im Stromberg ist am Frühstückstisch versammelt. Lavendelhonig, verschiedene Marmeladen, Wurst und Käse stehen auf dem Tisch. Baguette wird frisch aufgeschnitten. Ich schnapp mir schon mal ein warmes Croissant mit ordentlich Butter drauf. Lecker. Große Schlagzeile in der Tribüne, die Tageszeitung aus der Region: Kampf um das gelbe Trikot am Mont Ventoux, liest uns Felix vor. Gleich wird gefachsimpelt, diskutiert, jeder hat einen eigenen Favoriten. Carapaz, Pogajar, ich tippe auf Wout van Aert. Richard Carapaz hat die besten Helfer an seiner Seite, meint Benni. Und er hat nicht unrecht. Du brauchst Wasserträger Edelhelfer, nur mit einer starken Mannschaft ist der Sieg möglich. Ja, Geld schießt bekanntlich die meisten Tore und Geld macht Tour Gewinner, meint Thomas lakonisch. Ineos Grenadier hat einen 50 Millionen Etat fügt er noch bekräftigend hinterher.

Die Reifen auf 8 bar, Wasser in den Trinkflaschen. Die Kette geölt. Wir rollen aus Valréas über schmale Landstraßen, passieren wir die kleinen, pittoresken Dörfer Vinsobres und Mirabell de Barronies. Tief atmen wir die Lavendel geschwängerte Luft ein. Herrlich. Immer im Blick: Der Mont Ventoux. 

Autos fahren freudig, hupend an uns vorbei. Fenster werden heruntergekurbelt.  Allez, allez, werden wir auf Französisch angefeuert. Die ersten Schriftzüge auf den Straßen, die ersten französischen Flaggen am Straßenrand zeigen die Tour an. Der Zielort Malaucène hat sich hübsch gemacht. Wir halten an, auf einen obligatorischen Espresso. Schnell kommen wir mit Belgier, mit Tifosi, mit Radsportverrückte ins Gespräch. Es ist eine ausgelassene freudige Stimmung. Wir ziehen weiter bevor die Straßen komplett dicht gemacht werden. Wir wollen ja auf den Gipfel, dort in der Steinwüste auf unsere Idole warten. Zweimal werden sie uns passieren müssen, das ist einzigartig in der Geschichte der Tour de France. Es macht Spaß mit den Jungs, es ist keine Strapaze, es ist pure Freude. Wir sind gut trainiert, sind nicht im Wettkampf, plaudern viel, werden motiviert der schönen Landschaft, der ungewohnt schönen Ausblicke ins Rhonetal, von weitem kann man das Mittelmeer erahnen. Links und rechts ein Spalier von Wohnmobilen. Wir hören die Live Übertragungen, aus den Lautsprechern in den verschiedensten Sprachen, das Peloton ist schon auf Höhe von Sault, eine Spitzengruppe von 6 Fahren führt das Feld an. Darunter auch mein Favorit, der Belgische Meister Wout van Aert von Jumbo Visma Die Spannung steigt. Mit einem Lächeln im Gesicht erreichen wir den Gipfel. 

Wout van Aert in der Abfahrt zum Sieg!

Hubschrauber kreisen über unseren Köpfen, die ersten Polizeimotorräder sichern die Strecke. Es wird laut, der Berg erwacht zum Leben. Eine erste Spitzengruppe rauscht an uns vorbei, bin so aufgeregt wie damals mit Elli und Igga, ich konnte nicht mal die Fahrer erkennen. Felix, der verrückte Hund, rennt wenige Meter seinem Idol von Ineos Grenadier hinterher. So kommt man ins Fernsehen, denk ich bei mir. Wir klatschen uns ab, feiern uns und die Tour de France. Nach der halsbrecherischen Abfahrt nach Malaucène geht es nach Bedoin von dort nochmal 22 km die Südrampe, besonders steil, besonders selektiv! Wird Wout van Aert, aktueller Belgischer Meister, mein Favorit, den Attacken der Konkurrenz standhalten? Und noch wichtiger: hat er seine Edelhelfer vom Team Jumbo Visma noch an seiner Seite? Ich höre den Tour Funk, es wird spannend. Ja er ist noch dabei, jetzt noch die gefährliche Abfahrt überstehen, nicht stürzen, gesund bleiben. Wir jubeln jedem Fahrer zu, jeder hat den Respekt verdient. Eine kleine Gruppe von schwergewichtigen Sprintern mit gequälten schmerzverzerrten Gesichtern kommt an uns vorbei. Hauptsache ankommen und in der Karenzzeit bleiben! Nun sichern einige Polizeimotorräder den Schluss der Tour. Ein Fahrzeug kommt noch, es ist der Besenwagen. Er ist leer, keiner ist eingestiegen, er wurde nicht gebraucht. Gut so. 

Bleibt mir treu, bleibt gesund. EUER COACH

Nachspann

Hobby-Radfahrer aus der Region fahren zur Tour de FranceAufbruch zum Windumbrausten

Von Walter Christ 04.07.2021

Benni Sebastian Thomas L. Felix Thomas F.
Die Radbande Stromberg posiert in Bietigheim vor der Abfahrt mit dem Auto zur Tour de France. Von links: Benni Hoffmann, Sebastian Holler, Thomas Lutz, Felix Kenk und Thomas Fischer. ⇥ Foto: Oliver Bürkle
ABSCHIED

Mythos Mont Ventoux Teil ll

Mythos Mont Ventoux Teil ll

Mollans sur Ouvèze

Nun sind wir gespannt: wie ist es den 7 Radhelden auf dem Weg zum Gipfel des Mont Ventoux ergangen?

Es war der Freitag der 12.Juli 2019.

Präsidente Charlie, Champione Lars, Bandit Olli, Le Rouge Christian, Chameur Thilo, Pirata Geronimo und Capitano Sebastian trafen sich in Malaucène.

Der Start und Zielort für die Tour der Leiden. 100 km und 2325 Höhenmetern waren im Roadbook angegeben.
Über das Tal der Toulourenc nach Sault, Aufstieg über die Ostseite bis zur Skistation Chalet Reynard (dort trifft man auf den Anstieg der Südseite). Ab der Skistation geht es in die letzten mysthischen 6 km und 12 % Steigung, am Gedenkstein von Tom Simpson vorbei, bis zum Gipfel.

in 2er Reihen durch das Tal der Toulourenc

den Mont Ventoux immer im Blick

Es war heiss, in der Sonne deutlich über 40 Grad beim Start in Malaucène. Wir waren alle gut vorbereitet, genug Wasser und Proviant. Genug Reifendruck und gute Beine.
So ging es gemeinsam in 2er Reihen in Richtung Entrechaux, in das Tal der Toulourenc. Wir waren sofort geflasht um der Schönheit der Landschaft. Den Gipfel immer im Blick, blühende Lavendelfelder vor Augen – impeccable!

Champione, Le Rouge und Chameur

In Sault noch schnell einen Espresso, einen kleinen Snack und so ging es in den 26 km langen Anstieg.
Es gibt drei Routen um auf den Gipfel zu gelangen. Die Nordseite von Malaucène, die Südseite von Bedoin (fährt die Tour de France) und die Ostseite von Sault. Wir hatten uns für die Ostseite entschieden weil sie im Mittel eine Steigung von 4,5% hat. Besonders für Bandit Olli, der mit einer Prothese fährt sind die steilen Rampen reines Gift. Er hat nicht nur 50 % weniger Kraft, sondern hat auch nicht die Möglichkeit in den Wiegetritt zu gehen.
Im Anstieg stürmte Präsidente Charlie uns davon, Pirata Geronimo plagten die ersten Krämpfe in der Wade. Es gab kein Zurück, nur ein Ziel,der Gipfel 1909 Meter des Mont Ventoux. Jeder musste sein eigenes Tempo am Berg finden, so flog die Gruppe auseinander!
Am Chalet Reynard kamen wir dann doch fast alle gleichzeitig an – es fehlte nur Pirata Geronimo (benannt nach Marco Pantani) – der kurz vor der Aufgabe stand.

Nochmal Trinkflaschen füllen, durchschnaufen und die letzten 6 km der Steinwüste des Mont Ventoux wurden in Angriff genommen.

in der Steinwüste

Jetzt ist man dem Wind, der Sonne vollkommen ausgeliefert. Die Höhe und permanent 12 % Steigung wirken wie eine Vollbremsung. 2 Km vor dem Gipfel kam Bandit Olli in Schwierigkeiten, aber er hatte seinen Edelhelfer Präsidente Charlie an seiner Seite. Jetzt zählt nicht nur die Fitness es geht nur noch über den (eisernen) Willen!

Am Memorial von Tom Simpson noch ein Foto, der Gipfel ist schon in Sicht.

Ein Pilgerort für viele Radfahrer. Am 13. Juli 1967 starb Tom Simpson bei der Tour de France. Dehydrierung und Doping, Hitzschlag und Herzversagen, ein tödlicher Cocktail.

„Put me back of my bike“ waren seine letzten Worte!

Die letzten Kehren, im Wiegetritt, ein lächeln im Gesicht, Endorphine, den Mont Ventoux – Berg der Winde – bezwungen!


Und wo bleibt Il Pirata Geronimo? Ich bekomm einen Anruf:Bin in der Steinwüste habe noch 3 km – woah, den inneren Schweinehund überwunden. Wir fahren ihm entgegen und gemeinsam als Team erreichen wir den Gipfel. Eine schöne Geste!smiley

Sommet du Ventoux 1909 Meter.

Jeder, der diesen Berg mit dem Rad bezwingt, kann stolz auf sich sein. LG. Euer Coach

Mythos Mont Ventoux

Der Mont Ventoux, ein Gigant der Provence!

Dieser Berg ist 1912 Meter hoch, eine komplett isolierte Bergmasse mit einem weitläufigen Hochplateau die sich unmittelbar aus dem Rhônetal aufbaut. Der „Berg der Winde“ wurde im Jahre 1336 von Francesco Petrarca das erste Mal bestiegen. Für viele die Geburtsstunde des Alpinismus.

Für mich immer schon ein magischer Berg, der mich die letzten 30 Jahre immer wieder (heraus) gefordert hat.
Die ersten Jahre hab ich mit dem Auto immer mal wieder den Gipfel erreicht. Picknick Korb ausgepackt und die herrliche Aussicht genossen. Außer das die Kupplung qualmte hatte ich sonderlich keine Probleme!smiley
Erst als ich mal live die Tour de France im Jahre 2002 (Richard Virenque gewinnt die Etappe) gesehen habe, wollte ich mir beweisen das ich die Körner für diese Belastung im Körper habe.
Die ersten Versuche mit meinem Mountainbike sind kläglich gescheitert. Von der Nordseite von Malaucène kommend, war an der Ski Station Schluss mit Lustig, nichts ging mehr.

Die Hitze, permanente 12 % Steigung und auch die starken Windböen, machen den Anstieg zu einer Herausforderung!

2019 werden am Freitag 12. Juli 7 Radhelden den Mont Ventoux mit ihren Stahlrössern erklimmen. Von dieser Reise und den Kampf, Schweiß und (Glücks)Tränen im Teil 2.Mythos Mont Ventoux Teil ll


Mein Buch Tipp, gute Vorbereitung. LG. Euer Coach

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