Kategorie: Meine Liebe Seite 2 von 5

Kalipé

Kalipé

Sempre a Passo lento

Tibetanisches Sprichwort

Wisst ihr was Schlutzkrapfen sind? Nein, noch nie gegessen? Lecker. Sie sind gefüllte Teigtaschen mit Spinat und Topfen, (Quark) eine Spezialität aus Südtirol. Auf der Moarhofalm, unvergessen, dort habe ich zum ersten Mal selbstgemachte Schlutzkrapfen gegessen. Es war ein sonniger Tag im September. Mit Proviant und Trinkflaschen im Rucksack stiegen wir Drei (Miri, Basti, Chablis, unser Hütehundmix aus den Kaparten) auf die Putzenhöhe, ein 2438 Meter hoher Gipfel der Südtiroler Berge. Von dort aus hat man die unglaubliche Sicht auf die 3000er, ein fantastischer Panoramablick, der die schneebedeckten Gipfel der Zillertaler Alpen im Norden und die Dolomiten im Süden zeigt. Ein Traum. Die letzten Meter am Grünbachsee vorbei, gutes Bergwasser schlabbern und die heißen Pfoten kühlen. Jeder Schritt tut weh, es wird steil, Schritt für Schritt, das Gipfelkreuz im Blick, nochmal stehen bleiben, durchatmen, luftholen. Weiter geht’s, immer weiter. Die Putzenhöhe is done.

Jeder Schritt tut weh

Auf dem Rückweg vom Gipfel an pfeifenden Murmeltieren vorbei erreichen wir Drei durstig und ausgehungert die Moarhofalm. (1830 Meter ü NN) Chablis bekam kühles Bergwasser und einen Schattenplatz unterm Tisch, Miri bestellte sich einen Kaiserschmarrn und ich bekam die selbstgemachten Schlutzkrapfen, einfach in Butter mit gutem Parmiggano bestreut. Lecker, ein Gedicht. Dazu trank ich gutes Stilles Plose Wasser. Mehr braucht es nicht, ich war zufrieden. Ich war glücklich.

Grünbachsee 😍

Von klein auf hat man den Wunsch zu klettern, erst auf Spielplätzen, gesichert von Mama und Papa, auf Bäume im Garten, auf Hohe Buchen im Wald, auf Felsen mit Schulkameraden. Es ist ein Spiel, eine Mutprobe. In unserem Dorf gab es einen aufgelassen Steinbruch, ein Eldorado, ein Kletterparadies. Nichts war mir zu hoch, nichts war mir zu steil. Heute würden Eltern das verbieten, aber wir haben daraus unser Vertrauen gewonnen, wir kamen gestärkt am Abend zur Mama nach Hause. Wäre der Spessart mit seinem sanften geschwungenen Hügeln nicht zu klein für grosse Bergtouren, dann wäre aus mir ein Bergsteiger geworden. Sicher wäre Reinhold Messner mein Vorbild, sicher wäre ich in seine großen Fußstapfen getreten. Jetzt 40 Jahre später beeindruckt er mich immernoch. Wir sind in Südtirol, Urlaub mit der Familie, nett in Sankt Sigmund im Ansitz Neuhaus einquartiert.

Sankt Sigmund, Ansitz Neuhaus

Reinhold Messner lebte in Villnöß, mit 8 Geschwistern, die Geißlerspitzen vor der Haustür. Mit 5 bestieg er mit seinen Eltern seinen ersten Berg. Mit 12 kletterte er besser als sein Vater und mit seinem Bruder Günther bezwang er die Saß-Rigais- Nordwand sowie die Erstbegehung der Nordwand der Großen Fermeda. Sie sind Kletter Asse, nichts ist zu hoch nichts zu steil. Ihre schwierigste Kletterei in jungen Jahren war die Erstbegehung der Heiligkreuzkofel- Mittelpfeiler. Sie haben das Klettern revolutioniert.

Sie haben das Klettern revolutioniert

„Das soll ein leichter Weg sein,!?“flucht Miri, „wir können umkehren und die Gondel nehmen,“ ruf ich ihr zu. Wir sind auf dem Fußweg zum Gipfel des Kronplatz, auf 2.275 m Meereshöhe, mit seinem einmaligen Blick in die Dolomiten, zwischen Olang, Bruneck und dem Gadertal gelegen.“Nein geht schon,brauch nur ne kurze Pause,“ ein Schluck aus der Trinkflasche, weiter geht’s immer weiter.

Messner Mountain Museum

Ich kaufe mir eine Eintrittskarte für das MMM Corones, auf dem Gipfelplateau des Kronplatzes auf 2.275 Metern. Miri und Chablis genießen derweil in der Sonne die atemberaubende Blicke in die Zillertaler Alpen, sowie in die Dolomiten. Man glaubt nicht das diese Berge, die in den Himmel ragen aus einem Korallen Meer entstanden sind. Im Museum geht der erste Aus – Blick zu den Geisler Spitzen, das Kletterparadies des jungen Reinhold, der Zweite Aus – Blick zeigt die Berggruppe der Marmolata in der Günther und Reinhold in jungen Jahren einige gefährliche Erstbesteigungen gelangen. Einzigartige Architektur, einzigartiger Platz. Zaha Hadid, hat mit ihren Ideen der Geschichte des Alpinismus einen würdigen Rahmen erdacht.

Einen Ort der Stille, der Entschleunigung und unvergessener Ausblicke. Dieser Rückzugsraum öffnet alle menschlichen Sinne für das Darüber und Dahinter. Die Berge werden zum Erfahrungsraum, Teil unserer Kultur. Im Geistesflug über alle Gipfel hinweg gilt es sie neu wahrzunehmen.

Reinhold Messner

Am Abend mit vielen Eindrücken, mit leichtem Muskelkater und verspannten Schultern lasse ich den Tag Revue passieren. Ich mache mir einen gute Flasche Lagrein auf (Tor di Lupo, Cantina Terlan/Andrian) ,schneide Bergkäse und Speck auf. Wir philosophieren über das Leben, über den Tod. Messner ist ein Grenzgänger am Berg, viele seine Kameraden sind am Berg umgekommen, er war nicht besser, er hatte Glück, denk ich mir. Reinhold Messner (78 Jahre) war der letzten Tage in der Sendung „Inas Nacht“ eingeladen und dort schildert er sehr lebhaft seine Erfahrungen am Berg, seine Nahtoderfahrungen und seine Sicht des Sterbens.

Wir haben Angst zu sterben, aber wir haben keine Angst vor dem Tod

Reinhold Messner

The road is long
There are mountains in our way
But we climb a step every day

Himmelsbegräbnis

Bei dieser Zeremonie wird der Leichnam aufgeschlitzt, „dann stürzen riesige Geier von den Bergen herunter und bedienen sich.“ Die Knochen und der Schädel werden anschließend zerschlagen und ebenfalls an die Geier verfüttert. „Ich finde“, erklärte Messner, „dieses Himmelsbegräbnis sehr eindrucksvoll, für mich die eleganteste Form des Verschwindens im All.“

Bleibt gesund,bleibt mir treu.

Der Coach (Basti)🗻

Zugabe 🗻

Ein Blick in die Südtiroler Weinwelt

Cantina Terlan

Wir sind eingeladen in der Kellerei Cantina Terlan. Miri und Chablis 🐕 laufen den berühmten „Winkl“ Weinberg hoch und beobachten die angehende Weinlese. Derweil steige ich mit der jungen Frau Huber ( Schattenthaler Hof) in das atemberaubende Kellerreich, erbaut mit den Quarz Porphyr Steinen aus der Gegend. Dort reifen die grossen Rot und Weissweine in ausgesuchten Barrique’s und Fuderfässer aus französischer und slowenischer Eiche. Ich erfahre viel über die Geschichte und das Streben der Kellermeister nach Qualität! Es brauchte lange die Weinbauern zu überzeugen „Wir werfen doch keine Trauben zu Boden“, so die einhellige Meinung der Bauern vor 30 Jahren. Um zu zeigen wie langlebig auch die Weissweine sind, versteckte der alte Kellermeister Kofler jedes Jahr ein paar Weine seiner besten Weinberge. Erst nach seiner Pensionierung fand man den Schatz, öffnete einige alte Jahrgängen und war überrascht der frische und der Qualität. So hat es sich herumgesprochen, das die Weissweine aus Terlan ein besonderes Reifepotenzial besitzen.

Der letzte Keller zeigt ein Kuriosum: Kellermeister Sebastian Stocker wollte Sekt herstellen, kaufte alle Maschinen und Tanks für die Produktion. Der Vorstand gab ihm aber keine Genehmigung, so musste er wieder alles verkaufen, außer die 3000 Liter Drucktanks aus Edelstahl. Aus der Not heraus legte er einige Weißburgunder mit der Feinhefe ins Stahlfass. Auch hier zeigte sich die einzigartige Qualität der Weine. Nach ca.10 Jahren kommen diese Qualitäten unter den Namen“Rarity“ in die Flasche und begeistern die Weinwelt.

Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Aus der Mitte

entspringt

ein Fluss

Am Ende fließen alle Dinge ineinander und aus der Mitte entspringt ein Fluss. Der Fluss wurde bei der großen Überschwemmung der Welt begraben und fließt aus dem Keller der Zeit über Steine. Auf einigen der Steine befinden sich zeitlose Regentropfen, unter den Steinen sind die Wörter. Doch einige Worte wird man nie verstehen.“Ich kann mich dem Wasser nicht einziehen.

Norman Maclean

Ruhig taucht mein Paddel ins Wasser. Im Rhythmus meinem Pulsschlages. Ruhig, gleiten wir auf unserem 3er Kajak flussabwärts den Neckar entlang. Christian rammt sein Paddel tief ins Wasser, Sven hält verträumt sein Paddel planschend ins trübe Nass. Ich gebe den Takt. Ich gebe das Tempo vor. Wir leben an Enz, Metter und Neckar. Wir können uns dem Wasser nicht entziehen.

3er Kajak

Es gab eine Zeit in der Flüsse begradigt, kanalisiert unter die Erde gegraben wurden. Der Fluss als Klospülung missbraucht. Gestank von der Quelle bis zur Mündung. Diese Zeit ist vorbei.

die Quelle der Enz

6 Freunde und ein Geburtstagsgeschenk zum 60. Eine Kajaktour von Wahlheim nach Lauffen am Neckar. Organisiert von den Zugvögeln aus Bietigheim. So trafen wir frohgemut mit einer kleinen gespannten Nervosität uns in Wahlheim am Neckar. Ricardo von den Zugvögeln begrüßte uns herzlich und gab uns eine sympathische Einweisung.

Ricardo wurde 1962 in Sao Paulo geboren. Mit seinem Diplom für Akrobatik tourte kurz darauf mit einem Tanztheater durch Europa. In Deutschland folgten weitere Auftritte. Seit 1985 ist Ricardo als Dozent und Trainer für Akrobatik & als Choreograf tätig. In dieser Spielzeit trefft ihr ihn in der Jungen Oper Stuttgart an, wo er die Choreografie für Alice im Wunderland macht. Oder bei uns, denn Ricardo ist begeisterter Zugvogel

Der Neckar ist eine Bundeswasserstraße, so wird dieser Fluss von den grossen 135 Meter langen Frachtschiffen, die vor allem Wertvollen Schrott, Metalle, Salz und Erden von Stuttgart nach Rotterdam transportieren, befahren. Davon hatten wir kleinen Kajakfahrer Respekt und ein bisschen Bammel. Aber Ricardo gab uns Tips wie wir uns in der Konfrontation verhalten sollten. No Panik.

No Panik

Ich steuerte mal schön in die Flussmitte, leichtes Unwohlsein meiner mit Paddler stellte sich ein. Mit einigen kräftigen Paddel Schlägen waren wir schnell auf der anderen Seite und steuerten gerade auf eine Brombeeren Hecke am Flussufer.Wir pflücken reife Beeren und erfreuten uns an unserem Leben. Es ist ein Perspektiv Wechsel, unzählige Male bin ich den Radweg am Neckar mit meinem Merida Reacto gefahren, unzählige Male mit Tempo im Windschatten der Radbande im Stromberg. Genannt: die #strombergbuben. Aber mit einem Kajak noch nie. So waren die Einblicke sowie Ausblicke neu und begeisterten meine Sinne. Auf Höhe von Kirchheim am Neckar richtete sich mein Blick auf die Steillagen vom Kirchheimer Kirchberg. Die Weinberge in vollem satten grün, die Stäffele (Treppenstufen) und Weinbergsmauern blitzten im Sonnenlicht. Sehr gepflegt. Dies ist der Wein-Kultur Kirchheim Initiative zu verdanken, die mit viel Liebe und Engagement für den Erhalt der Steillagen am Neckar kämpft.3 gute Weine sind entstanden. regina, rosa und roberto, so ihre netten Künstlernamen, 3 Motive, geschaffen von der Aquarell Künstlerin Lisa Nollenberger. Sympathisch.

rosa

Wir kamen gut voran, obwohl ich gefühlt der einzige war der paddelte! Eine kleine Pause hatten wir uns verdient und steuerten das sandige Ufer an. Dort konnten wir gut an Land und uns die Füsse vertreten und den Rücken strecken. Nach dieser netten Rast paddelten wir weiter, wir wollten ja noch vor der Abenddämmerung in Lauffen ankommen. Auf der rechten Seite erblickten wir das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Es ist abgeschaltet, aber irgendwie wirkt es auf mich immer noch bedrohlich. Der Rückbau wird noch Jahre brauchen und ein Endlager ist meines Wissens noch nicht gefunden.

Der Jachthafen von Lauffen am Neckar war schon in Sichtweite, kräftiger Gegenwind kam auf, blies mir voll ins Gesicht. Ein Segel setzen, ein kleinen Außenborder, mir ging die Kraft aus. Ich konnte nicht mehr, ich war das nicht gewohnt, ich war am Ende. Sven und Christian mussten mich ersetzen und sie Taten das gut. Un pour tous, tous pour un. Ich schaute nach links und erkannte die ausgelegten Netze vom letzten Neckar Berufsfischer Seybold. Eine Tradition seid 450 Jahren. In einem Interview las ich: „Der Fisch ist wieder zurück, die Artenvielfalt ist wieder heimisch.“ Über 40 verschiedene Fischarten schwimmen wieder im Neckar und durch den Bau von Fischtreppen sollen auch wieder die begehrten Wanderfische wie Aal, Lachs, Meerforelle und Maifisch zurückkehren. Ein letzter Blick auf die Silhouette von Lauffen am Neckar, ein letzter Blick zurück. Die Zugvögel erwarten uns.

Bleibt gesund, bleibt mir treu.

Am Neckar oberhalb der Mündung des Enz Flusses säumen hohe Ponderosakiefern die Böschungen. In der schräg einfallenden Sonne des Spätnachmittags reichten die Schatten der großen Äste über den Fluß, und die Bäume nahmen den Fluß in ihre Arme. Die Schatten setzten sich die Böschungen hinauf fort, bis sie uns einschlossen.

Ein Fluß jedoch hat so viele Dinge zu sagen, daß es schwer zu erfahren ist, was er einem jeden von uns sagt.

Norman Maclean
Mein lieber Schwan 🦢

Der Coach (Basti)🚣

Ehrenrunde

Impressionen

Ironman Hawaii

Iron Man Hawaii

unterm Viadukt

oder

Flimmernd heiss, ich nehme ein Schluck aus der Trinkflasche, ich fühle mich wie auf den kochenden Lava Feldern vor der Küste Haiweii beim Iron Man, unerbittlich brennt die Sonne an diesem Sonntag im Juli. Gehe aus dem Sattel um Tempo aufzunehmen, ich rase mit meinem Merida Reacto in den Grotztunnel hinein. Schöne kühle Luft strömt mir entgegen, aus den Bässen erklingt lautstarke Disco Musik, ich knalle den 640 Meter langen dunklen Autotunnel entlang, bin auf der Triathlon Strecke vom 7. Bietigheimer Triathlon powerd by Hucon Shifting Limits. Ich bin ein Teil der Triathlon Staffel, genannt die #strombergbuben. Ich bin der Rennradfahrer.

#strombergbuben

Dari der Teamkapitän, verteilt kühle Getränke und gibt jedem Teilnehmer noch ein paar motivierende Sätze auf dem Weg. Jason muss 500 Meter in der Enz schwimmen, ich 20 km Radfahren und Lamin 6 km durch die heisse Innenstadt rennen. „Bleibt ruhig beim Wechsel, bleibt cool bei der Übergabe des Zeitnehmers,“ gibt uns Dari noch Tipps auf den Weg. Er ist der ehemalige Kapitän von einem kleinen kurdischen Fußballverein in dem ich Trainer war. Ich hörte auf, wir blieben Freunde. Im Alter von 14 kam er aus Georgien nach Deutschland, die Sowjetunion am Zusammenbruch, der Vater verstarb früh bei einem Verkehrsunfall, die Mutter hatte keine Wahl, sie verließen das Land. Fremd, pupertierend, ohne Sprachkenntnisse kannte Dari damals nur die Faust. So konnte es nicht weitergehen, er war fleißig, intiligent, sportlich, aber ein Ausländer. Er zog sich selber aus dem Sumpf. Machte eine Lehre, bildete sich weiter, wurde Familienvater und kletterte die Karriereleiter hoch. Er weiss wo er herkommt, das wird er nicht vergessen.

Nur noch wenige Sekunden bis zum Jagdstart, wir sind die ersten die ins Rennen gehen. Jason, ein Schwimmer der Wasserwacht springt mutig in die Enz. Es wird schwierig gegen die Strömung, keine 2 Meter Sicht in dem Trüben Wasser, er verliert leicht die Orientierung, muss sich ein, zweimal korrigieren. Am Viadukt um die Boje, jetzt sich mit der Strömung treiben lassen, kräftige Kraulschläge, wie ein Fisch im Wasser.

Wie ein Fisch im Wasser 🐬

Die Konkurrenz ist gut, nach uns gestartete Schwimmer kommen schon aus dem Wasser und gehen auf die Radstrecke. Wo bleibt Jason? Jetzt mit schweren Schritten kommt er aus der Enz, bindet den Zeitmesser an meinen linken Knöchel und brüllt mich auf die ersten Meter. Vollgas, Kette rechts, kein Taktieren, kein Windschatten, immer Puls am Anschlag.

Kette rechts, Vollgas 🏊🚴💪

Lamin wartet schon ungeduldig, wie ein Rennpferd in der Box. Er weiss, auf ihn kommt es an, er hat die Qualität, er hat die Beine für den Sieg. Lamin habe ich 2015 kennen gelernt. Er war 19, ein Flüchtling aus Gambia. Ich, der Fußball Trainer, man nannte mich: Der Coach. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen bei Onkel und Tanten sparte er sich sein erstes eigenes Geld für die Flucht nach Europa. Er wollte Herr seines eigenen Schicksales werden. Er nahm sein Herz in die Hand und verließ seine Heimat. 1 Jahr durch einige afrikanische Staaten verlief seine Route. Zu Fuss erreichte er Lybien. Abgeschoben in den Niger, verhaftet, landete er im Gefängnis. Keine guten Aussichten. Er kam frei, suchte ein Schlepper, der ihn nach Sizilien brachte. Und so stand er eines Dienstag Abends auf dem Trainingsplatz. Sympathisch, muskulös, ein Zulu, ein stolzer Krieger. Er lernte schnell Deutsch, machte ordentlich eine Handwerker Lehre bei einem Bäcker im Ort. Er lebt seinen Traum.

Er lebt seinen Traum

Christian, Sven, Sandra sind gekommen, feuern mich unter dem Viadukt von Bietigheim an, fehlen nur die Bengalischen Feuer und ich fühle mich wie bei der Tour de France hoch nach Alpe d’Huez. Charlie der Präsident, der alte Haudegen steht motivierend an der Seite, läuft einige Meter mit und verpasst mir eine kalte Wasserdusche. Sie sind alle gekommen, sie tragen mich, es macht Laune, ich hab Spass. Ich geh nochmal aus dem Sattel ,wie ein Cavendish, wie ein Greipel sprinte ich durch das Viadukt von Bietigheim. Komme in der Wechsel Zone punktgenau zum stehen. Die letzten Meter zu Fuss übergebe ich den Staffel an Lamin Camara, unseren Schlussläufer.

Lamin Camara 🏃🏿‍♂️

Lamin stürmt mit schnellen kraftvollen Schritten in die Altstadt, hoffnungsvoll schaue ich ihm hinterher. Wird er den Sieg für uns holen? Ich mag den Staffel Lauf, ich kann mich begeisterten, meine Leistung für das Team, ich bin nichts ohne das Team, ich bin nichts ohne ein Jason, ich bin nichts ohne ein Lamin. Ich mag den Gedanken.

Die drei Musketiere" aus dem berühmten Roman von Alexandre Dumas gehen füreinander durchs Feuer. Ihr berühmter Schlachtruf lautet "Einer für alle, alle für einen". Mit Degen kämpfen sie gemeinsam gegen den bösen Kardinal Richelieu und können sich hundertprozentig aufeinander verlassen. Sie halten zusammen.

Lamin ist stark, nach der zweiten Wende-Marke hat er schon viele Läufer vor ihm kassiert. Eine Laola, ein Trommelwirbel, lautstarke Anfeuerungsrufe, ein letzter Push. Im Zielbereich erwarten uns Christian, Sandra und Sven. Viele Freunde und Fans Fiebern mit uns. Gemeinsam warten wir auf unseren Schlussläufer Lamin. Hoffentlich ist ihm nichts passiert, nichts gezerrt, nicht umgeknickt, nicht dehydriert. Ohne seine Leistung zählt meine Leistung und die von Jason nichts. Das ist so. Unus pro omnibus, omnes pro uno

Er taucht auf, geht auf die Zielgerade, der rote Teppich ausgerollt, er sprintet, holt nochmal alles aus sich raus. Im Ziel. 🏁 Durchpusten. Kaltes Wasser.

Bleibt gesund, bleibt mir treu.

Der Coach (Basti)

Zugabe

Jason (Athos) 🏊
Der Coach (Porthos)🚴
Lamin (Aramis)🏃🏿‍♂️
Impressionen

Alpe d‘ Huez

Alpe d’Huez

Ich fahr mit meinem Merida Reacto in die 10 % steile Rampe von Alpe d’Huez rein. Meine Muskeln sind auf diese Belastung noch nicht vorbereitet. Die Sonne brennt mir ins Genick, der Schweiß läuft mir in die Augen. Ich nehme die Trinkflasche und spritz mir den Schweiß von Stirn und Nacken. Langsam finde ich mein Tempo, langsam find ich meinen Rhythmus. 21 Kehren, 1132 Höhenmeter sind zu bewältigen hoch in das Skigebiet von Alpe d’Huez 🇲🇫 auf 1850 Meter. Die legendäre Auffahrt der Tour de France. 1952 war Fausto Coppi der erste Triumphator. Jede der 21 Kehren ist einem Rad Champion gewidmet. Die erste Kehre trägt den Namen: Fausto Coppi 🏆

Auigilles d’Arves

Les Sybelles, so wird das Skigebiet in den französischen Alpen genannt. Eingerahmt von den über 3500er Hohen Gipfel der Auigilles d‘ Arves liegt das Dorf Saint Sorrin d’Arves. Unsere Destination. Unser Kurzurlaub im Juni. Es zieht sich, erst hoch zum Col du Glandon, dann noch höher auf den Col de la Croix de Fer (2067 Meter), die untergehende Sonne über den Gipfeln. Ein schönes Panorama. Wir hatten dafür keinen Blick, wir waren gestresst, genervt, wollten nur ankommen. Jetzt noch die steile Abfahrt, das Dorf im Blick, unsere Châlet nicht mehr weit. Endlich nach Stunden im Auto, aussteigen, luftholen, die Tür des Châlet sperrangelweit offen. Ein klopfen, ein zaghaften Bonjour, niemand antwortet. Hinter dem Haus entdecke ich eine ältere Frau beim Gärtnern. Könnte die Dame unsere Vermieterin sein? Ein Salut, ein herzliches Bonjour. Sie warte auf Brokkoli, auf Salatpflanzen für ihren Garten, wie sie uns erzählte. Ein einfaches Haus, in die Jahre gekommen, très francaise würde meine Mutter sagen. WiFi fragte Miri, Oui biensûr! OK, auf meinem Handy hatte ich kein Netz, das französische Fernsehen bekam ich auch nicht zum laufen, die Leselampe nur eine billige Funzel, der rauschende Gebirgsfluss – wir verstanden unser eigenes Wort nicht. Nach Linsen mit Würstchen und einem Glas Rotwein gingen wir müde, gestresst enttäuscht ins Bett. Was sollten wir auch anders tun….

Nach Kehre 20, 19 und 18 finde ich immer besser meinen Rhythmus. Sie sind nach Lance Amstrong (21,19) benannt, der den größten Bluff der Radsportgeschichte schrieb. Mit schmerzverzertem Gesicht das sich zu einer hässlichen Fraze entwickelte fuhr er in den Berg. Er gaukelte Jan Ulrich und Team Telekom eine Schwächephase vor, die den ganzen Tag Tempo machten. Mit seinem kurzen, stakkato artigem Wiegetritt stürmte Armstrong den Gipfel entgegen, gewann überlegen. Ulrich geschlagen und noch schlimmer: gedemütigt!

Der nächste Morgen, auf den alten Betten so recht als schlecht geschlafen. Chablis, ein Mischlingshund aus den Kaparten steht mit der Leine vor mein Bett und will seine neue Umgebung erkunden. Ich muss raus, kein wenn und aber…wir laufen runter zum tosenden Fluss, rauf auf einen Hügel, dort wo die Sonne über den Gipfel aufgeht. Holen uns nasse Füße an einem Bergsee. Auf einem Stein nehm ich Platz, wir genießen das morgendliche Erwachen der Fauna und Flora von Saint Sorrin d’Arves. Herrlich. Nach dieser entspannenden Gassi Runde erreichen wir die Käserei Beaufort. Ich entdecke einen Käse Automaten und ziehe mir kurzerhand einen leckeren gereiften Beaufort. Stolz bringen wir unseren Fang zum Frühstück mit. Elfie und Miri sind begeistert, er wird gleich aufgeschnitten und ratzeputz verspeist. Nach dem Frühstück ins Dorf. Touristenbüro, Souvenir Shop und Tante Emma Laden abgeklappert. (Spüli, Müllsäcke, Toilettenpapier, nichts im Haus, très francaise halt…) Kurzer halt an der vereinsamten Skistation, ein Abstecher zur Kirche Saint Saturnin,jetzt waren wir im Bilde.

Kehre 18, 16 und 15 tragen den Namen Hennie Kuiper, Joop Zoetemelk und Jan Winnen aus den Niederlanden. Sie trugen mit ihren Siegen zum Ruhm und Mythos von Alpe d‘ Huez bei. So das man heute noch vom Holländer Berg spricht.

Gedanken von Jan Winnen

Post aus Alpe d’Huez“ (Covadonga Verlag, 303 S.) auf Deutsch. Es ist keine Biografie im herkömmlichen Format, sondern die philosophische Betrachtung der eigenen Karriere in Briefen. Zweimal siegte Winnen in den 80er-Jahren am mythischsten aller Tour-Berge, darunter als Debütant.

Nun denn“, schreibt er über diesen Julitag 1981, „diese Etappe brachte mich als Rennfahrer dahin, wo ich als Radrennfahrer noch nie gewesen bin.“ Was den Triumph betraf – aber auch die physische Erfahrung. Über seinen (letztlich erfolgreichen) Ausreißversuch etwa sieben Kilometer vor dem Ziel schreibt er: in mir war nichts als eine unendliche Leere. Ehrlich gesagt, hatte ich auch die Lust verloren. Einfach absteigen und in der Menge verstecken, das schien mir die beste Lösung. Meine Muskeln fühlten sich an wie verhedderte Schnüre. Etwa an diesem Punkt endeten alle konkreten Gedanken.“

Das größte Event steigt jedoch in Kehre Sieben. Die nach Gianni Bugnio 🇮🇹 benannt ist. Etappensieger von 1990. Als der niederländische Pfarrer Jaap Reuten 1964 dort zum Skifahren war, konnte er nicht glauben, dass es dort keine Kirche gab. Also ließ er eine errichten, ging dort selbst seinem Beruf nach und läutete beim Sieg seines Landsmanns Joop Zoetemelk 1976 die Glocken. Fortan tat er das bei jedem niederländischen Sieg, acht sind es bis heute. Kristian von der Radbande sendet mir ein motivierendes Video,schaut selbst!

Der nächste Tag stand im Zeichen der Dauphiné. Ein 7 Tage Radrennen, eine gute Vorbereitung für die Tour de France. Fast alle Tour Favoriten waren am Start. Jumbo Visma mit Jonas Vingegaard, Bora Hansgrohe mit Jai Hindley, UAE mit Adam Yates und Bahrain Victorious mit Jack Haig.Und viele weitere Top Team der UCI Rangliste. Start in Port de Savoie führte das Rennen über den Col de la Madeleine, Col du Mollard, an unserem Dorf Saint Sorrin d’Arves vorbei. Dort sollte das Finale eingeläutet werden. Es folgte der 5 km harte Anstieg hoch zum Gipfel, hoch zum Col de la Croix de Fer. Ein Episches Finale.🏁

Ziel 🏁 auf 2067 🏔️ Meter

Nach dem Frühstück schnappte ich mir mein Merida Reacto und stürmte mal kurzer Hand hoch zum Gipfel Croix de Fer. Oben war schon der Teufel los. Die Flame Rouge, der letzte Kilometer, Abspeergitter säumten meinen Weg. Ich ging in den Wiegetritt, meine Hände am Unterlenker wie Pantani zu seiner Besten Zeit raste ich über die Ziellinie. Ich hab schon Mal vorgelegt. Ich gönnte mir einen guten Espresso in der Gipfel Bar, Doping für die Seele.

Col de la Croix de Fer 🏁

Kehre 3 und 2 sind nach Marco Pantani benannt. Er hält den Streckenrekord mit einer Fabelzeit von 37:35 Minuten. Eine Zeit unter der Hochzeit des EPO Dopings! Ich nehm mir noch Mal einen Schluck aus meiner Trinkflasche mit reinsten Gebirgswasser, geh in den Wiegetritt, stelle mir in Gedanken das Finale der Tour de France vor. Hinter mir das Begleitmotorrad mit Kameramann, über mir der kreisende Hubschrauber und vor mir ein Spalier aus tausenden Tifosis. Bernard Hinault, Greg LeMond, Jan Ulrich, Eddy Merckx, Guerini ( nach ihm ist die letzte Kehre 1 benannt) sind an meiner Seite. Hoffentlich werde ich nicht von einem Amateur Fotografen zu Boden gerissen, wie damals 1999 bei Giuseppe Guerini ’s Sieg kurz vor dem Ziel von Alpe d’Huez, denk ich mir. Nein es läuft, vereint im Kampf gegen seine inneren Dämonen, vereint im Kampf gegen seinen inneren Schweinehund, begleitet vom tosenden Jubel der Menschenmassen. Hand in Hand erreichen wir das Ziel.🏁Schön war’s

Bleibt gesund,bleibt mir treu

Der Coach (Basti)

Besenwagen

Ein Kurzurlaub in die französischen Alpen, in ein Hochgebirge von unglaublicher Schönheit. In eine Welt in der Radsportgeschichte geschrieben worden ist, aber auch in einer Welt von satten grünen Wiesen, schneebedeckte Berge, Alpenglöckchen, blau blühender Enzian und weiße Teppiche von Dichter Narzissen. An den Berghängen süße verspielte Murmeltiere, kreisende Steinadler 🦅 hoch über unseren Köpfen. Es pustet den Kopf frei, frei vom Stress unserer Zivilisation.

Ich hab schon Mal vorgelegt …

Meine Zeit am Col de Croix Fer🏁

Going for glory

Going for glory

oder

der schwäbische Giro

800 Meter zur Ziellinie.Thomas (Chalabert) geht als erster aus dem Windschatten. Die anderen schlafen wohl gerade, sind überrumpelt! Hat er genug Power? Hinter ihm das gelb schwarze Trikot vom Capitano. Das Hinterrad hält Marc (genannt 20Mille). Ist das sein Moment? Thomas hat alles gegeben, er hat nichts mehr im Tank. Sind jetzt alle 4,5 Stunden im Sattel. Es geht abwärts, sehen die Ziellinie noch nicht. Da ist Präsident Charlie und sucht seine Chance. Alle kommen jetzt auf der Zielgeraden zusammen. Janko hat kein Gas mehr, er ist raus aus dem Spiel. Der Capitano ist am Hinterrad vom Präsident Charlie. Aber schaut auf den Capitano, es ist ein Traumrennen von ihm. Er ist in Führung. Marc (20Mille) rauscht an der rechten Seite herran. Der Capitano streckt die Arme zum Sieg in den Himmel !?Es ist ein Fotofinish. Zu früh? One of the strange sprint i ever seen in my life. Der Ortsschild Sprint in Hohenhaslach! Wir sind mit der Radbande bei der RTF Lichtenstern, organisiert von den Schülern des Sachsenheimer Lichtenstern Gymnasium. So in etwa hat es sich zugetragen. Schaue gerade den Giro auf GCN in Englischer Sprache. Bin davon vielleicht ein wenig vom Reporter beeinflusst….Stage 14 Nico Denz the strong German winns, aber seht und hört selber. Sehr spannend.

Es ist ein schöner Tag im Mai. Die Strombergbuben haben sich um 8:00 Uhr im Pausenhof des Lichtenstern Gymnasium versammelt.Es geht auf die 135 km lange Strecke. 2022 habe ich schon einmal eine kleine Geschichte (Lichtenstern 🌠) darüber geschrieben. In den Stromberg und in das Kraichgau. Das Wetter ist sonnig bis heiter. Die Strombergbuben sind in ihrem Revier. Jede Straße, jeder Feldweg ist bekannt. Es wird viel gequatscht, wir haben uns lange nicht gesehen. Lars und Thilo von den Alpentretern werden eingeholt. Ein freundliches Hallo zugerufen. Weiter geht’s immer weiter.

Weiter geht’s immer weiter

Die Strombergbuben haben einen Segment Cup. Nach Gündelbach rein wurde es auf einmal schnell. Das heißt: wer die schnellste Zeit hat bekommt die meisten Punkte gutgeschrieben. Thomas genannt Chalabert hatte Druck auf der Pedale und somit die beste Zeit auf diesem Segment. Gratulation.

Queren Vaihingen Enz 🚴

Wir erreichen über einen Höhenzug Häfnerhaslach. Der erste Kontrollpunkt und Verpflegungsstation. Ich griff mir ne Banane und füllte die Trinkflasche. Weiter geht’s immer weiter.Thomas der Jugendleiter verabschiedete sich, am späten Nachmittag stand der Interstuhlcup an. Ein Radrennen auf einem Rundkurs in Heilbronn. Und was soll ich Euch sagen:er hat’s gewonnen. 🏆 Gute Vorbereitung, sag ich Mal.

Interstuhlcup 🏁

Den nächsten Höhenzug passieren wir locker,es geht ins Kraichgau. Zitat Janko: hier war ich noch nie….eine kleine Pause,einen Stempel ins Roadbook .Weiter geht’s immer weiter.

Der Kraichgau

Kloster Maulbronn ist unsere nächste Destination. Weltkulturerbe, nein einfach unser nächste Verpflegungsstation. Ein Apfel in die Hand. Weiter geht’s immer weiter.

Gute Stimmung 🤹

Es geht wieder ins Kirbachtal. Passieren Häfnerhaslach und mit Tempo nach Ochsenbach. Auf der linken Seite sehe ich den Geigersberg. Eine alte Weinbergslage.Einen Riesling vom Weingut Merkle trocken aus der Steillage kommt mir in den Sinn. Spannend, mineralisch mit viel Ausdruck. Lecker 😋

Endspurt

Jetzt wird das Finale eingeleutet. Die Spannung steigt. Das Ortsschild Hohenhaslach nicht mehr weit. Das Ende ist bekannt. Einen Höhenpunkt haben wir noch. Wer biegt mit Geschwindigkeit in den Pausenhof des Lichtenstern Gymnasium ein? Frei nach dem 2. Sieg von Nico Denz von Bora Hansgrohe beim Giro beschreib ich Euch unser Finale: noch 2 km zu gehen, wir passieren Kleinsachsenheim. Jetzt anschnallen, die Radschuhe nochmals fest anziehen, die Hände an den Unterlenker. Taktik wird wichtig, die guten Beine entscheiden. 4.5 Stunden entlang schönster Weinberge, entlang einzigartigen Höhenzüge der Region Stromberg Zabergäu kostete Kraft. Wir werden mit einem guten Hohenhaslacher Kirchberg🍷 heute Abend anstoßen. Das haben wir uns verdient. Wer hat noch die Körner, wer hat noch Gas im Tank? Wir sind auf der Zielgeraden, die Ziellinie im Schatten des Lichtenstern Gymnasiums nicht mehr weit. Capitano fährt von vorne, er wartet, schaut immer wieder über seine Schulter. Präsident Charlie an seinem Hinterrad, an 3 Position der junge Adonias, ein Gastfahrer aus Ulm. Wer zuckt als erster? Präsident Charlie hat auf grosse Kettenblatt geschaltet, er geht aus dem Windschatten, sie haben sich abgesprochen! Matthias aus Ulm, Thomas genannt Chalabert, Janko der Tausensassa, Sophia die Triathletin, Max der weiße Kenianer und Marc (20Mille) heben die Beine, lassen ausrollen. Am Hinterrad hängt der Junge Gast aus Ulm. Im Sinne eines grossen Sprinter, wie ein Greipel, wie ein Ackermann schießt er an Präsident Charlie vorbei und biegt als erster in den Pausenhof des Lichtenstern Gymnasium ein. Gut gemacht. Gratulation.

Bleibt gesund,bleibt mir treu

Der Coach (Basti)

Besenwagen

Der schwäbische Giro 🇮🇹

Eine Sache hab ich noch: Liebe Autofahrer🚗 liebe Motorradfahrer 🏍️,ich weiss, es ist schwierig, man ist genervt. Rennradfahrer sind ein Hindernis und wenn sie den dazugehörigen Radweg nicht benutzen um so mehr. Bleibt cool, freut euch der Natur, kurbelt das Fenster runter, motiviert mit allez Strombergbuben, allez rufen, feuert die Jungs und Mädels am Berg an. Den Daumen hoch👍 Es sind nur 2 Minuten an einem sonnigen Tag in eurem Leben. Aber entscheidende Minuten. Das Rennrad hat keine Knauuschzone.Danke.

Die Radbande vom Stromberg

Abenteuerland

Abenteuerland

oder die

47.Weinlandtour 1896 Stuttgardia e.V

„Komm mit
Komm mit mir ins Abenteuerland
Auf deine eigene Reise
Komm mit mir ins Abenteuerland
Der Eintritt kostet den Verstand
Komm mit mir ins Abenteuerland
Und tu's auf deine Weise
Deine Phantasie schenkt dir ein Land
Das Abenteuerland“

Alles kannst du hören, wenn du willst
Du kannst flippen, flitzen, fliegen und das größte Pferd kriegen
Du kannst tanzen, taumeln, träumen und die Schule versäumen
Alles das ist möglich in dir drin, in deinem Land
Trau dich nur zu spinnen, es liegt in deiner Hand

Komm mit
Auf deine eigene Reise
Komm mit und tu's auf deine Weise
Abenteuerland

Komm mit und tu’s auf deine Weise… Summe ich am Küchentisch. Die Schüssel Müsli leer, schäle ich gerade eine Banane und die letzten Strophen verklingen im Radio. Das Lied von Pur, ein Lied aus Jugendtagen. Jetzt wohne ich in der Stadt, in der die Band ihren Anfang hatte. Und Hartmut Engler, der Bandleader, ein Steinwurfweit von mir sein Häuschen bewohnt. Ich nehme Euch mit, auf meine Rad Reise in die Metropole Stuttgart. Es geht zur 47. Weinlandtour des Radsportvereins 1896 Stuttgardia e.V. nach Stuttgart Wangen.

Die S5 bringt mich und mein Merida Reacto gemütlich in das Zentrum, in das Herz Stuttgarts. Wir passieren die Haltestellen Tamm, Asperg, Ludwigsburg, Kornwestheim, Zuffenhausen, Nordbahnhof und in weniger als 25 Minuten erreichen wir die S Bahnstation Stadtmitte. Mit dem Rad über die Königsstraße, Schlossgarten erreiche ich laufleise den Rosenstein Park, Ecke Wilhelma, der berühmte Tiergarten. Einige Enten flattern auf, einige müde Jogger kreuzen meinen Weg. Vor mir, der liebliche Neckar. Nun, nur noch den Neckar flussaufwärts folgen, am Leuze (Thermalbad) vorbei und schnell hab ich Stuttgart Wangen erreicht. Mein Treffpunkt zur 47 . Weinland Tour RTF durch den Schurwald.

Herzlich werde ich von Michel (den ihr schon aus einigen anderen Abenteuern kennt) und Elke von der Stuttgardia begrüßt. Ich melde mich an und bekomme meine Startnummer. Vor mir sind heute schon 300 Radfahrer auf die grosse Schleife gestartet. 3 mögliche Touren, 3 mögliche Distanzen, 3 Kontrollstellen. (Tour C 50 km, Tour B 75 km und Tour A 125 km) Wir wollen heute der Besenwagen sein. Wir wollen heute für Sicherheit sorgen. Wir warten auf Thomas, Jugendleiter der Stuttgardia und Marc von der Radbande.

Es ist sonnig bis heiter, es wird ein warmer Frühlingstag, ein Tag zum Radfahren. Ich freu mich. Wir passieren wohl einige der bedeutendsten Weingüter Württembergs, so werde ich Euch einen kleinen Einblick in die Welt der Weine geben. Kommt auf meine Reise.

Marc von der Radbande im Stromberg ist der Letzte, der mit dem Rennrad um die Ecke biegt. Auf die Minute genau, er hat schon 30 km in den Beinen, er hat schon Puls. Er lässt es sich nicht nehmen noch schnell seine 10 € Startgebühr zu zahlen, geht ja in die Jugendarbeit. Thomas quittiert das mit einem zufriedenen nicken.Wir Vier gehen auf die Tour.

Folge dem Pfeil

Goldkapsel, so nannte Hans-Peter Wöhrwag vom VDP Weingut Wöhrwag seinen Riesling. Ein Riesling aus der Monopollage Untertürkheimer Mönchberg. Ein Riesling der mich als junger Weinhändler schon begeistert hat. Rassig, mineralisch, ein Riesling für jeden Tag, aber ausdrucksstark.

Die Tour ist gut ausgeschildert, schwarze Pfeile auf gelben Grund, Thomas hat die Richtungspfeile einen Tag vorher an den Kreuzungen und Weggabelungen angebracht. Man konnte sich nicht verfahren! Untertürkheim ist bekannt für die Autoschmiede Mercedes Benz, aber fast genauso bekannt für seinen guten Wein von der WEIN Manufaktur Untertürkheim. Früher kannte ich die Qualitätsunterschiede Kabinett, Spätlese oder Auslese. Die Manufaktur vergibt Sterne. Jede Weinqualität hat seinen Stern. 1 Stern, 2 Stern oder 3 Stern Qualität. Ich musste umdenken . Qualität kann nicht nur an dem Gehalt des Zuckers in der Traube gemessen werden. Ich Verstand.

Am Kappelberg entlang verlief die Tour in das Remstal. Weingut Aldinger, Weingut Schnaitmann sind die Superstars der Weinbranche, aber wir passieren die Fellbacher Weingärtner mit der alten Kelter. Ein Deutscher Rotweinpreis ist mir in Erinnerung geblieben. Aus der Weinlage Fellbacher Lämmler, 2019 Lemberger Edition P.. Ein Ritterschlag.

Wir erreichen den ersten Kontrollpunkt, die erste Verpflegungsstation. Es wird abgebaut, keine grossen Vorkommnisse, alle Radfahrer sind schon durch. Einen schnellen Kuchen auf die Hand. Weiter geht’s immer weiter.

Weiter geht’s. Immer Weiter

In Weinstadt treffen wir an der Ecke auf die Winzer vom Remstalkeller. Sie haben gute Weine, paar schöne Ideen. Es wird süßer, moderne Namen, Imitationen eines Primitivo aus Apulien (Primo #1), die neuste Weine tragen auch den Namen SWEET. Sonne im Glas😉

Jetzt geht es tief in den Schurwald. Thomas,der Jugendleiter macht die Pace an der Spitze.Er hat’s noch drauf, müssen sich die Jungen noch ganz schön Strecken. Ich setz‘ mich an sein Hinterrad. Stetig erhöht er die Geschwindigkeit.Wie Pogacar der Überflieger, bis einer nach dem anderen dem Tempo Tribut zollen muss. Ich bleib drann, lass mich nicht so einfach abschütteln, gehe tief. Eine letzte Kehre, das Wäscherschloss, Sitz der Staufer,in Sichtweite. In den Wiegetritt, es brennt,es tut weh,ich bleib drann!

Der sanfte bewaldete Höhenzug begeigerst meine Sinne. Streuobstbäume in voller Blüte, weite Blicke in die UNESCO Kulturlandland der Ostalb. Genieße den Qualitätswindschatten meiner Edelhelfer Marc, Thomas und Michel .

Wir biegen ins Nasachtal ein, vor uns die Betreuer im Bus der Orga Stuttgardia. Sie nehmen jetzt wieder alle Hinweisschilder und Richtungspfeile ab. Ein großer Aufwand, aber es hat sich gelohnt. 300 zufriedene Teilnehmer, alle wurden gut versorgt, keiner hatte sich verfahren, alle hatten Spass. Das ist nicht immer so, wie sie mir berichten. Im letzten Jahr waren es nur 7 Teilnehmer bei Dauerregen, der Aufwand gleich,die Kosten hoch.

Wir treffen auf Dennis von der Stuttgardia. Ein junger Bursche, fährt in der Bundesliga U19. Er setzt sich gleich an die Spitze und macht die Pace Richtung Stuttgart. Halleluja, hat der Dampf in den Beinen. Kann gerade so das Hinterrad halten. Mach mich klein, sehr klein auf meinem Merida Reacto. Wir stürmen nach Stetten rein, wie Tom Pidcock legen wir uns in die Kurven, den Bremspunkt am Limit. Kein Blick für die Y-Burg, kein Blick für die berühmten Stettener Weinlagen Brotwasser und Pulvermächer. Wir sind im Geschwindigkeitsrausch.

Im Ziel, durchpusten, den Rücken strecken,die Beine lockern, ein letzter Schluck aus der Trinkflasche. Ein oder zwei Maultaschen? 2 Maultaschen 1 Wulle.🍻 Nett sitzen wir noch zusammen, im schwäbischen: eine Hocketse!

Wie könnte ich die 47. Weinlandtour nicht mit einer Weinempfehlung beenden. Ich nehm Euch mit auf den Rotenberg. Dort auf dem Hügel befindet sich die Grabkapelle von Herzog Wilhelm, erbaut für seine geliebte Katharina. Nicht weit entfernt liegt die Alte Kelter, hier residiert die Winzergenossenschaft Collegium Wirtemberg. Ein 2022 Chardonnay Edition hab ich im Glas:klar,grüne Reflexe,frische Frucht,schöner Schmelz,lang am Gaumen,dicht,Komplex,zum Wohl!

Bleibt gesund,bleibt mir treu.

Der Coach (Basti)

Zugabe

47. Weinlandtour
Sonnenuntergang am Rotenberg

Toujour Provence

Toujour Provence

„Schöne kleine Straßen“, sagte Bruno mit einem feinen provençalischen Akzent auf einer Anhöhe von Piégon in der Mirabel aux Baronies. Die Sonne stand hoch, tief atmete ich die klare provencalische Luft ein, nahm einen Schluck aus meiner Trinkflasche und wiederholte auf französisch,“magnifique, Oui, petits chemins“ und klopfte ihm anerkennend auf seine schmächtigen Schultern. Ich war wieder in der Provence, ich war wieder in Valréas, ich war wieder bei Mama Christa. Frei nach dem Welterfolg von Peter Mayle „Mein Jahr in der Provence“ werde ich Euch meine 7 Tage im März in der Provence beschreiben.

Piégon
Jeudi

Die Dachbox auf dem Autodach, mein Merida Reacto zwischen Taschen, Koffern und Schwiegermutter geklemmt, Hütehundmix Chablis 🐕 nahm gemütlich im Kofferraum Platz, Miri schloss die Haustür. Nous sommes prêts, ab in den Süden, ab auf die Route de Soleil.🌞 Nochmal Tanken vor der Grenze, bis Oberkante voll, in Frankreich gab es Streik, das Benzin wurde knapp. Der Präsident Macron war Zielscheibe wütender Ausschreitungen. Ja, das kennen wir so in Deutschland nicht, aber es ging um die Rente und da verstehen die Franzosen keinen Spaß. Ich bekomm einen Anruf: Michel von der Radbande ist am Ende der Leitung. „Chef hat mir Urlaub gegeben, ich komme, ich sitze schon in meinem Citroen C2, ich fahre mit Dir die „La Corima“. Super rufe ich freudig in die Freisprechanlage!“ Wasserträger, ein Edelhelfer an meiner Seite für das 144 km lange, anspruchsvolle Rennen in der Drôme Provençal, genannt „La Corima“. Fritzie der Familienhund begrüßte uns schwanzwedelnd, Mama Christa lugte aus dem Fenster und wedelte freudig zur Begrüßung mit ihrem Küchentuch. Bernd, der Handyman und guter Freund aus Deutschland erhob sich kurz von seiner Arbeit, Hubert, Antroprosoph, französischer Freund von Mama Christa rief uns ein Bienvienue á Valréas zu! Am Abend bei Baguette, Käse und Wein schmiedeten wir unsere Pläne für die kommenden Tage. Allons-y.

Bienvienue á Valréas
Vendredi

Die aufgehende Sonne begrüßte mich am nächsten Morgen die gerade über die Hügel von Valréas aufging. Ich war für das Frühstück verantwortlich, so schnappte ich mir die Baguette Tasche und fuhr zu zur Boulangerie Marie Blachère. Eine grosse Bäckerei Kette an der Ausfahrtsstraße nach Nyons gelegen. Lecker duftiges, warmes Baguette, frische buttrige Croissant, kleine gefüllte Beignet. Ein Art Kreppel (nur Rottenberger wissen das es ein Berliner ist) in Minivormat. Deux Brownie et trois Pain aux chocolat rief ich der hübschen Verkäuferin zu. Mit einem charmanten „Merci et à demain“ verließ ich Marie Blachère. Schwarzer Kaffee, Grüner und ein Earl Grey brühte ich gekonnt auf. Verschiedene Marmeladen, ein Lavendel Honig, Käse und Wurst….Hab ich noch was vergessen? Wo sind die Eier von glücklichen Hühnern?

Espresso Stop

Michel bereitete sich schon auf unsere erste gemeinsame Tour in der Provence vor. Die Reifen auf 7,5 bar, Wasser in den Trinkflaschen, auf das Gesicht und auf die Waden Sonnencreme. Ich bereitete derweil die Lammkeule für unser Abendessen vor. Knoblauch, Salz,Pfeffer und die guten Provençalischen Kräuter nicht zu vergessen. Lecker. Ich hatte eine gute Tour geplant, sie ging nach Saint Maurice sur Eygues in die Baronies, den Mont Ventoux im Blick, über den Col de La Croix Rouge in die Drôme Provençal. Hoch über den Col de Valouse nach Dieulefit. Ein Mhh, Ahh, ein Ohh, Michel war in seinem Rennradfahrer Glück. Die beste Vorbereitung für „La Corima“, der Col de Valouse war auch Teil der Rennstrecke, so war es eine gute Übung. Wir diskutierten viel, mehr über Landschaft und Leute, mehr über Essen und die Liebe. Die Provence schärft deine Sinne, die Provence verleiht dir Flügel. In Dieulefit, die Töpferstadt, einen guten Crêpes, einen guten Petit Café. Während der Tour konnte ich nicht mehr aufs grosse Kettenblatt schalten. Merde, meine Batterie auf Sparmodus und mein Ladekabel DI2 in Deutschland gelassen.! Ein Hilferuf beim Bruno vom Radsport Club VCV Valréas. „Je me reisegne“, so seine Antwort. Die Telefondrähte glühten heiss, sie versuchten alles um mir aus der Patsche zu helfen. Nach der Tour gönnte ich mir ein Bier Blonde (Günzburger Helles, aus Deutschland 🍻😉) und schob die Lammkeule in den Ofen! Bei einem guten Bio Wein aus Visan mundete das Abendessen vorzüglich. Une régale.

Col de Valouse
samedi

Der Tag vor dem Rennen. Am Abend sollte es eine Fischterrine auf Salat, gegrillte Garnelen und Eis mit heißen Himbeeren geben, dafür gingen wir in den lokalen Intermarché und hatten eine grosse Einkaufsliste. Miri stöberte beim Obst & Gemüse, ich verschwand in der Weinabteilung. Alle namhaften lokalen Winzer waren vertreten. Ich entschied mich für einen leckeren Rosé „Lisa“ von Domaine Lauribert und einen 2018 Valréas Village von Mireille et Vincent. In Vinsobre besuchten wir die Landwirtschaftsmesse. Ein netter Zeitvertreib. Mit einer weiss blühenden Cistrose, einem Chêne blanc, geimpft mit dem Trüffel Myzel und den den Geschmack der guten Grand Cru Weine am Gaumen verließen wir Vinsobre. Am Nachmittag tauchte Bruno auf und hatte für mich das so wichtige Ladekabel DI2 dabei.Meine Rettung. Ein Grande Merci!

Grand Cru Vinsobre
dimanche

6.00 Uhr. Kein frisches Baguette, kein warmes Croissant, keine gefüllten Beignet. Nein, Quark, Müsli mit Bananen, Datteln gab es zum Frühstück, Wir brauchten Zucker, wir brauchten Kohlenhydrate wir brauchten Fett. Energiespeicher auffüllen. Es wird ein langer Tag. Ein Renntag. Hunderte von Radrennfahrer waren schon vor uns am Start, wir konnten uns nur hinten einreihen in die lange Schlange. 2400 Starter warteten auf den Startschuss zu 12′ Edition „La Corima“. Die ersten Kilometer waren wir gemeinsam im Peloton unterwegs Ich, der Capitano und Michel, mein Edelhelfer. Die Berge im Nebel gehüllt, dauernder Nieselregen machte die Strecke zu einer Herausforderung. Die Straßen glatt, das Spritzwasser im Gesicht. Wir hatten uns stets im Blick, das gelbe Trikot der Stuttgardia immer in Sichtweite. Michel war gut drauf. Michel war meine Lokomotive. Kurz vor dem Gipfel am Col de Valouse zeigte Michel was in ihm steckt und lancierte eine Tempoverschärfung der wir alle nicht folgen konnten.Er holte sich den KOM (King of Mountain). Einfach mal Muskeln zeigen! Die Franzosen waren beeindruckt.(darüber wird in Valréas noch in Jahren erzählt werden!) Ein letzter Anstieg am Col Haut Aleyrac, gesäumt von vielen Fans aus der Umgebung, Jean-Pierre klatschte mich ab und rannte wie der Teufel Didi Senft ein paar Meter mit, dem Gipfel entgegen. Das Ziel war nicht mehr weit. Im Sinne des Belgischen Kreisel stürmten wir nach Montélimar. Mit einer 90 Grad Kurve rasten wir auf die Zielgerade ein. Michel eröffnete den Sprint, hielt lang das Tempo hoch. Ich konnte mich an sein Hinterrad setzen, scherte im richtigen Zeitpunkt aus seinem Windschatten. Gagné🏁

lundi

Mistral kam über Nacht. Es heulte und stürmte um das Haus. Richtig zum fürchten,wenn man es nicht kennt. Am Frühstückstisch wurden unsere Erlebnisse, unsere Eindrücke vom Rennen lebhaft wiedergegeben. Schneller, härter, gefährlicher, natürlich mit einem Augenzwinkern. Der Markt von Tulette war unser Ziel am Vormittag. Ein neuen schicken Korb für Miri, Obst und Gemüse, Käse und Wurst im Einkaufskorb, danach ein Espresso Stop (Michel erzählte den umstehenden Franzosen, ich wäre der Sohn von Bernard Hinault.Grosse Aufregung….. ,) 3 Flaschen Wein von der kleiner Domaine de la Rouge Jouvence. Anschließend einen Rundgang im Schloss von Suze la Rousse, ein schöner Montag Vormittag in der Provence.

Am späten Nachmittag noch Mal die Beine lockern, gegen den gefürchteten Mistral.Macht wirklich keine Laune.Bleibt daheim, wenn er bläst und durch die Straßen fegt.

mardi

Ich wachte auf und hörte nur das zwitschern der Vögel. Der Wind hatte sich gelegt, die Sonne ging über den Dächer von Valréas auf. Es sollte ein schöner Tag in der Provence werden. Bruno kam vorbei und lud uns zu einer Radtour ein. Après Midi, 13:30 heure,? Bien. Wir hatten noch Zeit auf einen Kurzbesuch zum Kloster Aiguebelle. Ein Zisterzienserorden der strengen Observanz (auch „Trappisten“ genannt) mit einer Lourdes Quelle (die Trinkflaschen wurden gefüllt) und den besten Pastis der Welt.

Fontaine Aiugebelle

Ich zog das Trikot des VCV Valréas über, die Trinkflaschen gut gefüllt, die Reifen auf 7,5 bar rollten wir zum Treffpunkt. Bruno hatte zu Ehren unserer Freundschaft, zur Ehre der Jumelage Valréas und Sachsenheim das deutsche Radbande Trikot übergestreift. Jean-Pierre kam noch dazu, so waren wir zu Viert. Es wurde zu meiner schönsten Radtour. Mein Herz ging auf, die Sonne lachte, der Himmel so blau, alte Olivenbäume säumten unsere Wege, die ersten Mandelbäume in blühte und unsere französischen Freunde waren die besten Capitane, die besten Edelhelfer die sich ein deutsch – französisches Radsportteam nur wünschen konnte. Launig mit Dampf in den Beinen zeigten sie uns ihre „kleinen Straßen“ Sie waren stolz. Stolz auf ihre Hâute Provence 🌞 Bei einem Leffe Bier auf der Sonnenterrasse von Jean-Pierre endete unserer einmaligen Radtour. Merci.

mercredi

Der Tag der Abreise. Ich verlier nicht viele Worte, mit den letzten Sätzen, frei nach Peter Mayle, möchte ich meinen Blogbeitrag beenden: Es waren Tage gewesen, in dem wir sehr intensiv geradelt, (350 km/4300 Hm) lecker gekocht, (Lammkeule, Garnelen, Eis mit heißen Himbeeren) angeregt geredet, einfach – gelebt haben. Faszinierende, in manchen frustrierende oft unbequeme Tage, (das Rennen la Corima🥵🏁) die aber nie langweilig oder enttäuschend 🏆 gewesen waren. Vor allem fühlten wir uns hier zu Hause. Mama Christa brachte Gläser mit Alexion (alkoholfreier Kräuterlikör mit 52 Kräuter) aus Aiugebelle. Bernd der Handyman unterbrach seine Arbeit. Bruno et Jean-Pierre schauten zum Abschied vorbei. Hubert erhob das Glas und wünschte uns „Santé et bonne Route à bientôt mes ami !“

Bleibt gesund, bleibt mir treu. Euer Coach. (Basti 😘)

en plus….

welch Ehre,das Trikot 💪
noch gute Laune🚴

Atlanterra

Atlanterra

oder

eine Vuelta Espania

Es war an einem Silvester Abend. Man sass gemütlich mit guten Freunden beisammen. Coronabeschränkungen ließen keine grossen ausufernden Partys und bunte krachende Feuerwerke zu. Es war ein feiner Abend, gutes Essen, guter Wein und anregende Gespräche. Man war froh wieder beisammen zu sein und nicht über das C Wort zu reden. Nach langem gab es Mal wieder andere Themen und das tat gut. So kam das Gespräch auf unser Leben im Alter. Wo und wie will man Leben? Wo ist der Platz, wenn die Kinder gross, das Haus bezahlt und die Rente naht? Warum nicht gemeinsam alt werden. Aber wo und wie? Ich hatte mir noch keine Gedanken gemacht, fand die Idee aber charmant. Zusammen ist man weniger Allein.

Andalusien, unendlich lange weiße Sand Strände. Die schönsten Sonnenuntergänge Spaniens. Morgens trifft man sich  auf einen Cordado in den unzähligen Bars und Kneipen, am Abend auf einen Aperitif, schwärmte Sandra uns ihre Idee vor. Die Idee kam an. Marbella rief Sven begeisternd in die Runde.Wo die schönen und Reichen zu Hause sind schmunzelte Mela. Also, ab in den Süden.

Spanien kannte ich nicht, höchstens von den Weinen die ich gerne trank. Ein Rioja, ein Rueda oder Mal ein Wein aus dem Priorat. So plante ich erstmal unseren Jahresurlaub nach Spanien. Eine Reise mit Miri, Elfie,Chablis konnte beginnen. Mein Merida Reacto durfte nicht fehlen. Über Südfrankreich, ein paar Tage in den Pyrenäen, einen Stop in Lourdes sollte der erste Übernachtung auf spanischen Boden Salmancar sein. Eine gute Woche dann in Andalusien, auf der Rückfahrt über Marbella, das Ebro Delta, einen Halt in den Cevennen und der Abschluss unserer Rundreise hieß Dijon im Burgund. Was für eine Tour, eine Vuelta Espania. Diese Tour möchte ich Euch Hier und Heute beschreiben, eine Tour auf der Suche nach unserem privaten Residential, auf der Suche nach Atlanterra.

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, so fuhr ich schon eine Woche vor unserem Urlaub mit einer Dachbox durch unsere Stadt. Mein Merida Reacto kam noch zwischen Proviant und Schwiegermutter an diesem Morgen und ab auf die Autobahn gen Süden. Der erste Stop, Valreas, Provence, immer wieder schön „nach Hause“zu kommen. Aimée und Julian begrüßten uns herzlich. Am Abend, aus dem Kühlschrank funden was nettes gezaubert, gutes Essen, gute Gespräche, die Kinder sind gross geworden.Wo ist die Zeit geblieben?

Nach Hause kommen

Der nächste Tag, frische Croissant 🥐,frisches Baguette, man ist in Frankreich. Danke Hubert,du bist ein Schatz.Danke für alles.🥰

Die Pyrenäen, die grosse Gebirgskette, die Frankreich und Spanien trennt. Über 200 Dreitausender! Kannte ich nicht. Nur durch die Tour der France im Fernsehen, mit dem Tourmalet, mit dem Aubisce, mit dem Col de la Perche (1.581 m) Monumente der Radsportgeschichte. Es war beeindruckend, bei der Ankunft in unserer Ferienwohnung, hoch oben auf dem Hügel, die großen Berge im Hintergrund. Mystisch. Palmen, ein schöner Garten. Die untergehende Sonne taucht den Naturpark Pyrenäen Meditarinee in ein atemberaubendes goldrotes Schauspiel. Empecables! Unser Domicil für die nächsten 5 Tage. Frühstück auf der Terrasse, die 3000er im Blick, mein Merida Reacto blitzte im Sonnenlicht, ich hatte Bock die hohen Cols zu bezwingen,  aber erstmal ging’s mit Miri, Elfie und Chablis in eine Wallfahrtskapelle..

Erstmal ne Kerze anzünden 🕯️

Kleine Straßen, warm fahren, den Puls spüren, finde ich den Einstieg zum Col de la Crouzette (1245), dann hoch zum Col du Portel ( 1465 Meter) , gute Bedingungen, Windstill, die starke Sonne scheint nur gelegentlich durch. Die dichten Wäldern der Pyrenäen schützen mich vor den gefürchteten Winden. Die Waldgrenze erst auf 1200/1300 Metern. Im Einklang mit meinem Rennrad, runder Tritt, finde ich mein Tempo am Berg. Fühle, die Luft wird dünn, die Lungen brennen, aber die weiten Ausblicke  auf die grossen Gipfel, motivieren mich, geben mir Kraft. Ich finde meinen Rhythmus, noch zwei Kehren, die Passhöhe gleich erreicht, jetzt nochmal in den Wiegetritt, ein Schluck aus der Trinkflasche. Erreicht. Schnelles Foto, weiter geht’s, immer weiter, jetzt stürze ich mich in die gefährliche Abfahrt. Ich riskierte nichts, die Bremsen Quietschen, sie Qualmen, sie halten !

5 Tage Pyrenäen, 5 Tage voller neuer Eindrücke. Hoch auf den Lac Bethmale (1264 Meter), rein in einen Bergfluss zur Abkühlung, schlendern im Klostergarten von Abbaye de Combelongue und auf der Suche nach den ersten Menschen in der Höhle von Mas d’Azil vor 18000 Jahren. Die Kombi macht’s.

Splendide vue Pyrenées

Der Abschied fiel schwer, aber es musste sein. Wir waren ja auf der Suche nach unserem privaten Residential. Also ab, auf die Autobahn Richtung Spanien, aber erstmal eine Kerze 🕯️ in Lourdes anzünden.Welch eine spirituelle Energie welch eine katholische Party. Alles ist auf den Beinen. Jung, alt, gebrechlich, fromm und frech.Ich sitz am Morgen auf einen Espresso vor dem Eingang zur der Grotte Massabiele in einer Bar. (Hunde dürfen nicht rein) Am Nachbar Tisch bestellen sich erstmal die Damen zwei Bier 🍻 Schön hier, Miri kommt mit 4 Flaschen selbst gefülltem Lourdes Wasser. Und wie schmeckt es? Normal, nach Wasser halt,leicht gechlort die Antwort.

Mit Lourdes Wasser im Gepäck überqueren wir die spanische Grenze. Über endlose Weiten geht es nach Salamanca.Wir sind begeistert. Es ist ein Samstag, die Stadt brennt, die ganze Stadt feiert eine grosse Fiesta und wir sind mitten Drin dabei. Es macht Laune.

Imposante

Der nächste Tag, ein schneller Cordado keine Zeit mehr für Kultur, keine Zeit für Salamanca. Unser Haus, eine Finca am Atlantik war das Ziel. Einsam durch schmale holprige Wege lag die Finca, weiss getüncht in der Abendsonne, in Sichtweite der brausende Atlantik. Ein Traum aus einem TUI Katalog. Herrlich.

Finca Andalusia

Miri stürzt sich gleich mutig in die Brandung. Respekt. Wette verloren, hier der Beweis Schwarz auf Weiss

Die traut sich

Wir fühlen uns wohl, Spaziergang an unendlich langen Sandstränden, am Nachmittag in den Schatten spenden Palmen zu dösen, am Abend ein frischen Fisch aus dem Meer, aus dem Atlantik. In der Region werden traditionelle Fangmethoden angewendet, besonders für den bedrohten Thunfisch. Ein guter Wein, ein Rueda oder ein Verdejo aus dem Ribero del Duero begleitet das leckere Abend Essen. Lecker

Mein Merida Reacto wartet, ich bin schon ungeduldig, möchte die Küsten Straße Andalusien kennen lernen. Miri, Elfie, Chablis dösen im Schatten, ich nutze die Chance, ich ziehe das Radbande Trikot über, schnapp das Rad und rolle leise und sanft über die Küsten Straßen. Es läuft. Nehme Tempo auf, trete mit großem Kettenblatt hoch durch Kiefernwälder im Naturpark Brena y Marismas kräftig in die Pedale. Nur das Rauschen des Atlantiks und surren meiner Kettenblätter ist zu hören. Ich hab Spass. Eine Herausforderung kommt noch. 2015 war das Finale der Vuelta Espania 🇪🇦 in Vejer. Alejandro Valverde gewinnt die Etappe. Ich nehm die gleiche Route wie damals. Es knallt, richtig steil die letzten Meter, ich geh in den Wiegetritt, ich kotz, ist das steil, die letzte Rampe von Vejer der la Frontera. Oben in der Stadt angekommen biege ich auf einen Cordado in eine Bar ein, ich feiere mich selbst.

Nun, die Suche auf unserem privaten Residential haben wir noch nicht aufgegeben. Wir cruisen am Nachmittag entlang der Küste. Vor uns taucht Atlanterra auf, eine Villen Gegend, entwickelt von Schweizern, die schon in den 1960er Jahren dieses Idyll entdeckten. Schick, tré chick! Hinter hohen Mauern, jede Villa ein Traum, fein eingebettet in die Küstenlandschaft .Wir halten, genießen den Blick, eine Ziegenherde zieht an uns vorbei. Vor uns eine Parzelle, mit Wachholder, Ginster und mit spanischer Heide beflanzt. Könnte dies unser Land werden, unser Traum, unser privates Residential? Ein Haus am Atlantik, am Ende der alten Welt, der Blick wandert in die Tiefe des Atlantiks. In weiter Ferne, kann das Afrika sein, fragt mich Miri ungläubig. Ja, Das Atlas Gebirge, nur 20 km Meer trennt Europa von Afrika an dieser Stelle, wir sind fasziniert. Wir schlendern runter zum Strand, ich stürze mich mit Chablis freudig in die Brandung, schmecke Salz auf meinen Lippen, eine grosse Welle verschluckt mich, juchzend tauche ich wieder auf. Es macht Laune. Genießen den Sonnenuntergang, lassen unsere Blicke schweifen, hoch zum Leuchtturm Faro Camarinal, entlang der Küste hoch zu unserem Stückle, wie man im schwäbischen sagt. Dort könnte unser Haus stehen, unser persönliches Atlanterra.

Unser Stückle

Wenn es am schönsten ist soll man bekanntlich aufbrechen. So verließen wir noch vor Sonnenaufgang unsere Finca Andalusia entlang der Spanischen Küste.Wir passieren Gibraltar und machen einen Abstecher nach Marbella rein. Ich bin enttäuscht, der Strand grau, die Wellen plätchern vor sich hin. Die ersten Sonnenanbeter cremen ihre Haut, die ersten übergewichtigen Sportler laufen die Promenade hoch und runter, müde Urlauber schlendern unmotiviert durch die Gassen. Einfach Proll. Vielleicht bin ich nicht gut drauf, aber hier kann ich mein Lebensabend nicht vorstellen. Wir fahren weiter,ein Yurte im Ebro Delta ist unser Ziel für eine Nacht. Auf geht’s entlang zu gebauter Küstenstraße, Beton wo man hinsieht.

Afrika

Co Pilot Miri lotst mich mittels GPS Signal durch den Naturpark im Ebro Delta.100,70 50 ,20 Meter, jetzt scharf rechts dann gleich links, noch 800 Meter! Vorsicht Graben, 20 Meter unbekanntes Hinderniss, was für eine Rally in dem Ecologic Oliven Reservat. Ziel erreicht. Ich puste durch, die Eigentümerin begrüßt uns Vier herzlich, führt uns zu unserer Yurte für eine Nacht. Ein Traum unter dem spanischen Himmelszelt. Boenas Noches. Der nächste Morgen, ein persönliches Frühstück, ein guter Start in den Tag, ein guter Abschluss ,ein Adios.🇪🇦

Unter dem spanischen Himmelszelt
Buenos dias, gut geschlafen 🐕

Es warten die Cevennen, es wartet ein weiters unbekanntes Land. So viel hab ich in Europa noch nicht gesehen, so viele schöne Ecken sind noch zu entdecken. Das gute liegt so nah, so auch die ursprüngliche Bergregion, ein UNESCO Weltkulturerbe. Wir erreichen auf 800 Höhe unsere Unterkunft. Hotel Restaurant Gare aux Anes. Ein ehemaliger Bahnhof Combe Redonde. Am Abend im Restaurant herzliche gute französische Küche. Mein Menü schließe ich mit einer feinen Käseplatte. Ein würzig, salzigen Roquefort begeistert meine Sinne. Stolz berichtet mir die Gastgeberin das dieser Käse nicht unweit des Dorfes entstanden ist. Und heute noch in den Höhlen von Roquefort reift. Lecker.

Sonnenaufgang in den Cevennen

Die Reise neigt sich dem Ende, aber ein Highlight hab ich noch.Wer kennt sie nicht die grossen Weine des Burgunds. Ein Mersault einen Corton, einen Montrachet oder doch lieber ein Pommard. Ich kann mich nicht entscheiden, einer besser als der andere, ich liebe das Burgund. Ich liebe die Weine. Es ist kein Chardonnay, es ist kein Pinot Noir, es ist Terroir! Jeder Weinberg ein kleines Juwel, liebevoll eingerahmt von kleinen Mäuerchen. Empecables.

Dies war die Reise auf der Suche zu unserem privaten Residential, eine Reise in unsere Zukunft. Wie soll sie aussehen, wo möchten wir Leben? Finden wir unser Coup der Couer? Wir haben viel gesehen, wir haben viel erlebt, wir haben viel diskutiert. Alt werden mit guten Freunden, gesund alt werden, mit einer hohen Lebensqualitäten, mit Lebensfreude. Gelingt uns das? Ja, packen wir es an.

Bleibt mir treu, bleibt Gesund. Euer Coach

Zugabe

Cevennen

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